Tanz auf dem Vulkan

Der Ätna ist der aktivste und mit 3.323 m auch der höchste Vulkan Europas. Grund genug, da mal raufzulaufen! Den Zeitpunkt hätten wir nicht besser wählen können: Wenige Tage nach unser Gipfeltour kam es zu einem spektakulären Ausbruch.

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Es ist Ende November, Lea und ich sind dem deutschen Schmuddelwetter für ein paar Tage Richtung Italien entflohen. Ein kleines Agriturismo in den Bergen von Kalabrien ist unser Basislager. „Lass uns doch auf den Ätna laufen, wenn wir schon mal in der Nähe sind“, schlage ich vor. Gesagt, getan. Zwei Tage später setzen wir von Villa San Giovanni mit der Fähre nach Sizilien über. Der Plan: Zum Sonnenaufgang am nächsten Morgen wollen wir auf dem Ätna stehen!

Mit dem Mietwagen geht es deshalb von Messina gleich weiter Richtung Süden. Ab Zafferana folgen wir der Landstraße 92, die sich in endlosen Serpentinen den Berg hinauf schlängelt. Der Nebel wird immer dichter, bis wir die Straße vor uns kaum noch erkennen können. Die schwarzen Lavafelder links und rechts der Straße wirken so noch bedrohlicher. Nur eine Kurve weiter ein ganz anderes Bild: Wir haben die Wolkendecke durchbrochen und werden von strahlendem Sonnenschein empfangen.

Dichter Nebel auf dem Weg zur Rifugio Sapienza lässt die Lavafelder noch surrealer wirken.

Über den Wolken ein ganz anderes Bild: Strahlender Sonnenschein am Forsthaus Casa del Vescovo

Warmlaufen für die Gipfeltour am nächsten Morgen

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir die Rifugio Sapienza auf knapp 2.000 m Höhe. Was nach einer einfachen Berghütte klingt, ist ein voll ausgestattetes Hotel mit Restaurant und Bar. Daneben ein riesiger Parkplatz, diverse Souvenirshops, eine Seilbahnstation und geländegängige Busse, die zahlungswillige Gäste bis fast auf den Gipfel bringen. Ein vulkanisches Disneyland! Doch zu dieser Jahreszeit verirren sich kaum Touristen hierher.

„Noch vor Mitternacht weckte uns die Stimme des Führers auf den Weg zum Gipfel des Berges, den wir mit Aufgang der Sonne zu erreichen wünschten. […] Es verloren sich nach und nach die Bäume, die Schlacken hervorgefluteter Lava türmten sich mächtiger empor und ließen nur mit Vorsicht sich erklimmen. Tiefe Stille herrschte ringsum, nur in langen Pausen rief der Wolf aus unteren Wäldern heraus.“
Karl Friedrich Schinkel – In Taormina und auf dem Ätna, 17. Mai 1804

Ohne Führer und erst um 5 Uhr starten wir am nächsten Morgen Richtung Gipfel. Den Wolf hören wir auch nicht, dafür begleitet uns der Hund des Hoteliers. Pietro, wie wir später erfahren, folgt uns von hier an auf Schritt und Schritt. Oder besser gesagt: Wir folgen ihm, denn er scheint den Weg auch im Dunkeln besser zu kennen als jedes GPS-Gerät.

Nach fünf Kilometern auf einer breiten Schotterpiste erreichen wir die Bergstation der Seilbahn. Inzwischen setzt die Dämmerung ein und wir machen eine kurze Pause auf einem Nebenkrater oberhalb der Seilbahnstation. Von hier haben wir perfekte Sicht auf das, was sich in den nächsten Minuten abspielt: Ein wahrhaft grandioser Sonnenaufgang über den Wolken! So etwas lässt sich natürlich nur bedingt planen – umso mehr brennen sich solche Momente ins Gedächtnis ein.

Die ersten Sonnenstrahlen des Tages am Cratere del Laghetto, einem der vielen Nebenkrater

Die ersten Sonnenstrahlen des Tages schieben sich über die Wolkendecke

Noch nicht ganz am Gipfel, aber trotzdem ein perfekter Moment!

Anschließend folgen noch ein paar Kilometer Schotterpiste, bevor wir auf etwa 2.900 Meter ein großes Feld aus Lavagestein queren. Mit dem ersten Schnee des Winters sehen die Schlackekegel von oben aus wie ein russischer Zupfkuchen! Eigentlich darf man von hier an nur mit Bergführer weiter, aber wir setzen unseren Weg auf eigene Faust fort. Jetzt wird es noch mal richtig anstrengend, denn es geht einen steilen Hang aus tiefem Lavasand hinauf. Der zieht einem die Kraft förmlich aus den Beinen. Zwei Schritte vor, anderthalb zurück!

Nach knapp drei Stunden (mit vielen Fotopausen) haben wir das Gipfelplateau zwischen Südostkrater und „neuem Schlund“ (Bocca Nuova) erreicht. Die Luft ist hier spürbar dünner, auch wegen der Schwefeldämpfe, die ringsum aufsteigen. Aus dem neuen Schlund ist immer wieder ein beunruhigendes Grollen zu hören. Keine Wohlfühlatmosphäre also. Dafür ist der Ausblick grandios!

Nach einem ereignislosen Abstieg sind wir zurück am Rifugio. Pietro freut sich über frisches Wasser im Trinknapf und wir fallen über das göttliche Frühstücksbuffet her. Eine Tour, die man so schnell nicht vergisst. Dafür sorgt auch der schwarze Sand, der noch Monate später aus unseren Trailschuhen rieselt.

Nur wenige Tage nach unser Tour kam es zu einem spektakulären Ausbruch des Ätna:

Praktische Infos

Anreise und Übernachtung
Vom italienischen Festland gibt es mehrmals täglich Fährverbindungen nach Palermo und Messina. Günstige Flüge von Deutschland nach Sizilien (Palermo oder Catania) gibt es z.B. mit TUIfly, Airberlin und Eurowings. An der Südflanke des Ätna gibt es zwei Hotels auf knapp 2.000 Meter Höhe: Das Hotel Corsaro mit 17 Zimmern und die Rifugio Sapienza mit 24 Zimmern liegen direkt nebeneinander und sind ähnlich gut ausgestattet. Die Preise schwanken stark je nach Saison. Vor allem im Sommer übernachtet man günstiger in Zafferana Etnea.

Ausrüstung
Die übliche Trailausrüstung für Touren im Hochgebirge mit Erste-Hilfe-Set, Sonnen- und Wetterschutz. Gaiters bzw. Gamaschen halten Steine und Vulkanasche aus dem Schuh, Stöcke sind vor allem im Aufstieg hilfreich. Ein GPS-Gerät und/oder Wanderkarten (z.B. von Rother oder Müller) helfen bei der Orientierung.

Wetter und vulkanische Aktivität
Das Wetter am Ätna kann sich gerade im Sommer sehr schnell ändern. Vor allem Gewitter und Blitzschlag können gefährlich werden, weil es oberhalb von 2.500 m keinerlei Schutz gibt. Vor einer Tour zum Gipfel deshalb die Bergwettervorhersage checken! Außerdem sollte man sich unbedingt über die aktuelle Aktivität des Ätna informieren, z.B. hier oder hier.

Veranstaltungstipp
Der Sicily Volcano Trail Mitte April führt in fünf Etappen (72 km / 5.700 Hm) über die schönsten Trails Siziliens. Höhepunkt ist ein Skyrace am vierten Tag mit 13 km und 1.000 Hm zum Hauptkrater des Ätna!

23,12 km
Distanz
1.575 m
Anstieg
1.577 m
Abstieg
GPS-Download
Hendrik

Von

Hendrik ist leidenschaftlicher Trailrunner und Gründer des TrailBlog. Neben kurzen, steilen Rennen reizen ihn lange Touren auf eigene Faust in den Bergen. Hendrik ist ASICS Frontrunner und wird unterstützt von Garmin, SZIOLS und ultraSPORTS. Folge ihm auch auf Strava, Twitter und Instagram.
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5 Kommentare

    • Hendrik

      Hendrik

      Danke Sebastian. War wirklich eine tolle Tour. Die Trails vor allem im unteren Teil sind nicht sonderlich spektakulär, aber die Kulisse umso mehr!

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