Allgäu Swimrun 2016 – im Neoprenanzug durch die Voralpen

Die noch junge Sportart Swimrun ist Anfang der 2000er Jahre mit dem sagenumwobenen ÖTILLÖ-Rennen in Schweden entstanden. Seit einigen Jahren boomt der Sport in ganz Europa. Am Samstag fand die erste Auflage des Allgäu Swimrun in Oy-Mittelberg statt - und wir waren mittendrin.

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Dieser neue und für viele (noch) eigentümliche Sport unterscheidet sich an einigen Stellen von den meisten anderen Ausdauersportarten. Nicht nur durch die häufigen Wechsel zwischen Schwimmen und Laufen oder durch das Laufen in Neoprenanzug und Schwimmen mit Schuhen, sondern vor allem dadurch, dass es ein Teamsport ist. Es wird immer in 2er-Teams gestartet und man darf sich über die gesamte Strecke nie weiter als 10 Meter von seinem Partner entfernen. Ein Aspekt der diesen Sport besonders auszeichnet. 45 Teams wollten sich der Herausforderung im Allgäu stellen und sind bereits am Freitag in Oy eingetroffen. Das bunt gemischte Starterfeld umfasste Teilnehmer aus 13 Nationen in den Kategorien Damen, Herren und Mixed. Die Spannung war deutlich zu spüren. Für die Meisten war es der erste Swimrun und viele holten sich noch letzte Tipps bei dem erfahrenen Orga-Team von Swimrun-Germany oder den wenigen erfahrenen Swimrunnern unter den Anwesenden. Neben dem Race-Briefing stand am Abend ebenfalls die obligatorische Pasta-Party auf dem Programm, jedoch nach bayerischer Art: Käsespätzle!

Race-Briefing im Kurhaus Oy-Mittelberg (Foto: VitaminBerge.de / Robert Kampczyk)

Die Wettervorhersage für den Wettkampftag deutete an, dass das Rennen eine kalte Angelegenheit werden sollte. Lufttemperaturen, je nach Höhenlage, von 6 bis 10°C und Wassertemperaturen von etwa 12 bis 15°C. Dazu eine dicke Wolkendecke mit gelegentlichen Regenfällen. Böse Stimmen behaupteten sogar, die Schneefallgrenze sollte in der Nacht bis auf 1000m absinken (höchster Punkt der Strecke ca. 1150m). Leider können Wetterprognosen heutzutage bedrückend präzise sein. Die Teilnehmer wurden am Wettkampftag früh morgens zwar ohne Schnee, dafür aber durch Nieselregen und tief hängende Wolken begrüßt. Die Stimmung war trotzdem hervorragend und alle fieberten dem Start entgegen. Durch die vielen Wechsel zwischen Schwimmen und Laufen gibt es wohl kaum einen Sport, bei dem Regen den Athleten weniger ausmacht!

Höchste Punkt der Strecke erreicht, leider ohne die sonst so schöne Aussicht (Foto: VitaminBerge.de / Robert Kampczyk)

Pünktlich um 10 Uhr standen alle Starter aufgereiht vor dem Kurhaus in Oy und es konnte losgehen. Die Strecke führte die Teilnehmer durch traumhafte allgäuer Alpenlandschaften von Oy-Mittelberg zum Rottachsee, um das Burgkranzegger Horn zum Grüntensee und wieder zurück nach Oy. Insgesamt waren etwa 27 km zu bewältigen, davon 3,5 km schwimmen und 23,5 km mit satten 560 Höhenmetern laufen. Die Strecke wurde aufgeteilt in 7 Laufabschnitte zwischen 500 m und 8 km sowie 6 Schwimmstrecken zwischen 100 m und 1000 m. Die Laufabschnitte führten Großteils über Schotter- und Feldwege mit einigen Waldtrails und nur wenigen geteerten Straßen. Die vielen Höhenmeter waren dabei im Neoprenanzug eine besondere Herausforderung.

Über schöne Trails auf dem Weg zur ersten Schwimmstrecke (Bild: VitaminBerge.de / Robert Kampczyk)

Die erste Laufstrecke führte über 8 km und 150 HM zum Rottachsee und sorgte zunächst dafür, dass trotz kaltem Wetter keiner frieren musste. Neopren isoliert dann doch sehr gut und sorgt für hohe Körpertemperaturen während des Laufens. Das ist zwar anstrengend, aber sicherlich ein Vorteil im Hinblick auf den Rottachsee. Dort mussten mit nur wenig Abstand gleich drei Schwimmstrecken von insgesamt etwa 2 km im kalten Wasser absolviert werden. Trotzdem forderten die Temperaturen im ersten See bereits Opfer und es mussten mehrere Teams aufgeben. Die über 100 freiwilligen Helfer konnten aber dafür sorgen, dass niemand zu Schaden kam. An den Verpflegungsstellen wurde natürlich für ausreichend warme Getränke gesorgt und an dieser Stelle soll allen freiwilligen Helfern nochmals ein großes Lob für ihre hervorragende Arbeit ausgesprochen werden. Trotz des eher mäßigen Wetters fanden sich einige Zuschauer am Streckenrand ein und trieben erschöpfte Schwimmläufer voran.

Kurze Erholung und warme Getränke nach einer kalten Schwimmstrecke, gleich geht es weiter zum nächsten See (Foto: VitaminBerge.de / Robert Kampczyk)

Gleich nach dem Startschuss bildete sich an der Spitze des Rennens ein Zweikampf zwischen dem Team Campz – Powered By Icebug um die Potsdamer Wolfgang Grohé und Stephen Hastings und dem Team von trailblog.de mit Sebastian Kreder und Knut Baadshaug. Die zwei Teams waren bis Kilometer 20 immer weniger als 30 Sekunden auseinander und die Führung wechselte ständig. Im Grüntensee konnten sich die 2 Schreiberlinge dann aber entscheidend absetzten und mit einer Zeit von 2:47:14 und rund drei Minuten Vorsprung ins Ziel laufen. Starke Gesamt-Dritte wurde das Mixed-Team VFL Münster SwimRunner mit Delphine Halberstadt und Carsten Ott.

Zweikampf am Rottachsee – Team trailblog.de dicht gefolgt von Team Campz (Foto: VitaminBerge.de / Robert Kampczyk)

Auch die Zuschauer stellten ihre Ausdauer unter Beweis und feuerten vom ersten bis zum letzten Zieleinlauf jedes Team an. Erschöpft und müde, aber glücklich es endlich geschafft zu haben, fielen sich alle Teilnehmer im Zielbereich in die Arme. Verfrorene Finisher wurden dann mit Suppe und Wärmedecken versorgt und zu den warmen Duschen geführt. Sicherlich bedingt durch die kalten Wetterbedingungen mussten von den insgesamt 45 gestarteten Teams 7 unterwegs aufgeben, zum Schluss haben es 38 ins Ziel geschafft. Eine auf den ersten Blick vielleicht hohe Ausfallquote, für einen Swimrun allerdings nicht ungewöhnlich. Die oft langen Strecken und vielen Wechsel verlangen dem Körper alles ab und können auch durchtrainierte Sportler an ihre Grenzen bringen.

Das Team trailblog.de konnte am Ende als Erstes ins Ziel laufen (Foto: VitaminBerge.de / Robert Kampczyk)

Fazit

Der Swimrunsport ist 2016 endlich in Deutschland angekommen und eine gelungene erste Auflage des Allgäu Swimrun beweist, dass es auch in Deutschland geht. In einige Wochen findet auf der Mecklenburgischen Seenplatte bereits das nächste Rennen statt. Hoffentlich werden wir in den kommenden Jahren noch zahlreiche Wettkämpfe in Deutschland sehen – auf die 2. Auflage des Allgäu Swimrun dürfen wir uns auf jeden Fall jetzt schon freuen!

Letzter Schwimmausstieg am Grüntensee, jetzt nur noch ins Ziel laufen (Foto: VitaminBerge.de / Robert Kampczyk)

Männer
1. Knut Baadshaug (NOR) & Sebastian Kreder (DEU) – trailblog.de 2:47:14
2. Wolfgang Grohé (DEU) & Stephen Hastings (DEU) – Team Campz – Powered By Icebug 2:50:15
3. Burkhard Brosius(DEU) & Alexander Barduhn (DEU) – Alte Wasserratten Triathlon Potsdam 3:27:47
Mixed
1. Carsten Ott (DEU) & Delphine Halberstadt (DEU) – VFL Münster SwimRunner 3:14:09
2. Arnd Hille (DEU) & Claudia Hille (DEU) – Team Main Ausdauershop 3:26:38
3. Ancel Grégory (FRA)& Zellmeyer Aurélie (FRA) – Team GAAZ 3:29:42
Frauen
1. Sabine Kost (DEU) & Jessica Tamms (DEU) – Salming Swimrun Team Germany 3:35:19
2. Kerstin Bachmair (AUT) & Birgit Berger (AUT) – Trumer TRI Team 4:23:24
3. Ilona Bajerova (CZE) & Lenka Kreidlova (CZE) – Auf erste Versuch 4:28:26

Alle Ergebnisse hier.

Knut Baadshaug

Von

Knut kommt aus Norwegen, lebt aber seit neun Jahren in Deutschland und ist zurzeit in Stuttgart zuhause. Bereits seit frühen Jahren ist er aktiver Ausdauersportler, kommt ursprünglich vom Schwimmen und ist über Triathlon mittlerweile beim Swimrun angekommen. Knut ist auch auf Strava und Instagram zu finden.
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