Alpen X 100 – Non-Stop über die Alpen

Matthias

Text 
Fotos Matthias Schwarze

Rennen

Was für eine Premiere! Der Alpen X 100 bei seiner Debütvorstellung. Wir waren schon im Vorfeld mit von der Partie und haben natürlich auch zwei Strecken dieses Abenteuers begleitet. Lest selbst, wie es Carsten auf seinen ersten 100 Meilen und Matthias auf dem vermeintlich lockeren 70er ergangen ist.

Kommentieren

Was für eine Premiere…

Das war selbst für einen Weltklasse-Trailrunner wie Iker Karrera eine ganz, ganz harte Aufgabe. Vielleicht sogar eine zu harte Aufgabe. Als der erfahrene Spanier am Samstagabend kurz vor Mitternacht nach 25:29.33,9 Stunden die Ziellinie in Brixen in Südtirol passierte und damit als erster Sieger des Alpen X 100 feststand, da ging so gut wie nichts mehr. Karrera war nach 160,4 Kilometer am Ende seiner Kräfte, sein geschundener Körper wollte nicht mehr, die Beine versagten ihren Dienst. Das technisch extrem anspruchsvolle Finale bei der ersten non-stop Alpenüberquerung für Trailrunner von Seefeld in Österreich nach Brixen wurde zu einer enormen und in diesem Maße nicht erwarteten Herausforderung für die Teilnehmer. Platz zwei ging an den Italiener Alexander Rabensteiner (26:45.54,9 Stunden), Rang drei an den Österreicher Sebastian Fuchs (27:08.17,2 Stunden). Schnellste Frau über die 100 Meilen war die Meranerin Annemarie Gross in 31:38.24,3 Stunden, Ines Melzer erreichte als zweite Frau nach 46:28:04,9 das Ziel in Brixen. Fazit nach der Premiere: Das höchst anspruchsvolle Finale bei diesem 160,4 Kilometer langen Lauf in Kombination mit dem miserablen Witterungsbedingungen in der ersten Hälfte und der einsetzenden Dunkelheit sowie Kälte verlangte den Teilnehmern alles ab. Dazu kamen 9.200 Höhenmeter im Aufstieg und fast 10.000 Höhenmeter im Abstieg. Insgesamt erreichten nur 61 der 160 Teilnehmer auf der Königsdistanz das Ziel – 59 Herren und die beiden oben schon erwähnten Damen.

Begleitet Carsten auf 100 Meilen über die Alpen

160 Kilometer von Seefeld nach Brixen

Der Entscheid beim Alpen X 100 zu starten stand schon sehr früh im Jahr fest, eigentlich direkt nachdem ich beim UTMB diese Jahr kein Losglück hatte. Im nachhinein bin ich sogar froh darüber, da mich die Diskussion um den Namen „Ultra Trail“ zurzeit sehr nervt.

Vorbereitung auf 100 Meilen

Die Vorbereitung war nicht grossartig anders als sonst, etwa alle 3 Wochen ein Trainingswettkampf, mal zügiger und mal wirklich nur als langer Trainingslauf. Die Zeit vom Anmeldetermin bis zur letzten Woche vorm Wettkampf verging sehr schnell und da leider familiär und beruflich so viele Dinge zu erledigen waren ging die Wettkampfplanung total unter. Frage 1: Hotel vorher / nachher/ überhaupt? Ich entschied mich direkt mit dem Zug anzureisen, die Zugfahrt von Zürich dauert etwa 5 Stunden und so konnte ich wenigstens noch zuhause ausschlafen und musste nicht um 10:00 auschecken. Da ich überhaupt nicht einplanen konnte wann und ob ich das Ziel erreiche, entschied ich mich für Brixen für die Variante Schlafsack und Isomatte. Wichtig war einfach Sonntagabend wieder in Zürich zu sein. Frage 2: Schuhwahl? Da drei verschiede Modelle mit im Gepäck waren, konnte ich diese Entscheidung vom Briefing abhängig machen. Da für die ersten Stunden Regen angesagt war entschied ich mich für den Salming T2 für das erste Teilstück. In Steinach nach 58 Kilometern wechselte ich dann auf den La Sportiva Akasha.

Briefing

Um 19:00 fand das Briefing im Kongresszentrum in Seefeld statt. Bis kurz vor dem Start konnte man die Dropbags für VP5 und VP11 abgeben und sogar noch nachmelden. Die Expo ist vermutlich im wahrsten Sinnen des Wortes ins Wasser gefalle und die Pasta Party war leider schon vorbei als ich eintraf. Schade. Laut Wetterprognose sollte das Wetter für die nächsten Stunden immer besser werden. Zumindest sollte es aufhören zu regnen. Leider war starker Wind für die Höhenlagen vorhergesagt. Ich entschied bei der Kleiderwahl für unten kurz und eine dünne Regenjacke. Ist doch Sommer, oder?

Endlich geht´s los, 100 Meilen

Der Startschuss für die 160 angetretenen Ultras fiel pünktlich um 22:00. Ursprünglich waren 220 Teilnehmer gemeldet, aber einige haben sich das wohl doch noch mal überlegt, Matthias gehörte ja auch dazu, wie ihr unterstehend lesen könnt, und haben sich den vom Veranstalter Plan B angebotenen Switch auf eine der beiden kürzeren Distanz gegönnt. Leichter Regen der uns die ersten Stunden begleiten sollte, aber dann tatsächlich aufhörte. Das erste Teilstück bis zur VP1 bei Kilometer 15 ging grösstenteils runter und man lief auf Forstwegen. Vielleicht ein ganz guter Einstieg um schon ein paar Kilometer zu sammeln.
Danach ging es hoch und nach einem kurzen Asphaltstück folgte der erste Trail. Am Ende vom Trail kam man auf einen Forstweg, leider fehlte an dieser Stelle die Markierung (keine Ahnung warum an solch einer Stelle keine Markierung ist, quasi eine T Kreuzung). Nach kurzem Beratschlagen rief jemand „hoch, es geht hoch“. Also liefen wir hoch, nach einiger Zeit merkten wir aber, daß weiterhin keine Markierung zu sehen war. Also wieder runter, mittlerweile waren vermutlich an die 30 Läufer auf der falschen Fährte. Schade, kann passieren, muss aber nicht. Vermutlich haben wir so 20 Minuten verloren. Ok abhaken, das Rennen ist noch lang, sehr lang.
Kurz nach der Stelle an der wir uns verliefen war dann auch die zweite Verpflegung. Das nächste 12 Kilometer Teilstück verlief hauptsächlich auf Pfaden, es ging einmal knackig hoch und danach lange runter.
Das nächste Teilstück war ein langer Anstieg, aber kein Problem die Beine fühlten sich immer noch super an und es machte riesig Spass. Wer hoch läuft muss auch bergrunter laufen und so war es dann auch auf dem Teilstück von VP4 zu VP5 (Steinach), wo eine Stunde später Start für den 100 Kilometerlauf sein sollte und sich unsere Dropbags befanden.

Gut gelaunt mit Lars Schweizer bei VP 5 (Foto: Kerstin Schneehage)

Mittlerweile war es hell geworden. Ich habe meine Essvorräte aufgefüllt, Schuhe, Socken und T-Shirt gewechselt. Gemeinsam mit Lars Schweizer habe ich dann den Aufstieg zur Nösslachjochhütte in Angriff genommen. Hier galt es 900 Höhenmeter auf 8 Kilometer zu bewältigen. Oben angekommen packte mich der Ehrgeiz etwas zügiger zu laufen und ein paar Plätze gut zu machen, blöde Idee im nachhinein.
Nach VP 7 ging es hoch zum Sandjöchl und dann runter nach Gossensass, Start vom 70 Kilometerlauf. Es folgte wieder ein langer Anstieg zur Bergstation Rosskopfbahn. Mittlerweile auf Platz 6 liegend fühlte ich mich nach über 11 Stunden laufen immer noch super. Jetzt sind es doch nur noch 60 Kilometer dachte ich mir. Es folgte ein langer Downhill, kein Problem, weiterhin super motiviert.
Bei VP 10 angekommen ging es dann auf den längsten Anstieg, gut 1300 Höhenmeter am Stück. Anfangs noch relativ einfach auf Asphalt. Dann folgte eine Schotterwegpassage und plötzlich änderte sich das Rennen für mich abrupt. Vielleicht nicht ganz überraschend holte mich jetzt auch die Müdigkeit ein und ich fühlte mich kraftlos. Die schlechteste Kombination in diesem Moment war auch noch, daß der Weg verschwand, bzw. der Weg für mich nicht mehr klar zu sehen war und es ein ständiges Suchen war. Plötzlich wurde mir auch noch kalt. Erinnerungen an den UTMB vom letzten Jahr kamen hoch. Es ist verrückt wie schnell das Blatt sich ändern kann. Ich wollte nur noch hoch zur nächsten Verpflegung, aber es sollte sich noch ziehen.
Etliche Zeit später erreichte ich das Gospeneider Joch. Hier dachte ich, ich sei bereits bei der lang ersehnten Verpflegung wurde aber dann schnell darauf hingewiesen, daß es noch drei Kilometer sind. Noch einmal leicht runter um dann wieder hoch zum Penser Joch zu gelangen, glücklicherweise hatte es hier wenigstens wieder einen Weg. Hier habe ich mir alles angezogen was mir zur Verfügung stand. Hier oben war es sehr windig und mir war durch die Müdigkeit sehr kalt.

Nach etwa 30 Minuten Pause, teilweise im Restaurant ging die Reise weiter. Jetzt war es 18:15, d.h. ich war mittlerweile mehr als 20 Stunden unterwegs. Jetzt folgte ein Abschnitt auf dem es offiziell 19 Kilometer keine Verpflegung gab. Glücklicherweise hat sich die Hüttenwirtin der Marburger Hütte bereitgestellt Getränke zur Verfügung zu stellen. Der Weg bis zu dieser Hütte war sehr mühsam, schwer zu laufendes Gelände, aber glücklicherweise immer noch hell.
In der Zwischenzeit ist die sympathische Stephanie Lieb mit zwei Mitstreitern (alle 100 Kilometer) auf mich aufgelaufen und ich konnte so zumindest ein Stückchen gemeinsam laufen. Mittlerweile setzte die Dämmerung ein, das Gelände war weiterhin alles andere als einfach zu laufen. Meine drei Zugpferde waren mir leider etwas zu schnell und ich sah nur die Lichter der Stirnlampen davonziehen. Hier verlief ich mich dann so richtig, ich folgte Markierungen von einer Veranstaltung von einer Woche zuvor. Plötzlich kam aus dem Nichts ein Läufer, der mir sagte, daß ich falsch sei und etwa 15 Minuten zurück müsse. Ok, ich versuchte es, kam mir aber schnell wieder total orientierungslos vor.
Irgendwie bin ich dann auf den Weg gekommen und konnte mich an zwei 100 Kilometerläufer bis zur nächsten Verpflegung hängen.
Es waren auf jeden Fall die härtesten 19 Kilometer in meinem Leben. Ich brauchte für diesen Abschnitt 7:30 Stunden. Hier ging es dann wieder berghoch, glücklicherweise auf einem Forstweg. Schnell war hier wieder auf mich allein gestellt, da ich das Tempo der beiden Mitläufer berghoch nicht halten konnte.
Oben angekommen ging es noch etwas runter und wieder hoch. Das größte Problem war das Suchen des Weges, aber irgendwann habe ich dann das Tannefrit Kreuz erreicht und es ging nur noch runter. Eigentlich würde ich mich freuen, aber meine Füsse taten mittlerweile bei jedem unkontrollierten Auftritt sehr weh.
Runter bis zur nächsten Verpflegung war es fast nicht laufbar für mich. Selbst im ausgeruhten Zustand scheint mir dieser Downhill etwas zu krass gewählt zu sein. Für dieses Teilstück von 14 Kilometern benötigte ich wieder über 4 Stunden.
Noch einmal etwas quatschen bei der Verpflegung und weiter ging es auf die letzten 5 Kilometer. Die letzten drei Kilometer konnte ich dann wieder etwas laufen und kam als sogar mit 32:21 Stunden als zweiter in meiner Altersklasse ins Ziel.

Siegerehrung Master Men: Carsten (2. Pl.), Harald Daporta (Sieger), Hannes Tuatscher (3. Pl)

Leider war die Stimmung zu diesem Zeitpunkt im Ziel sehr bescheiden. Nach einem Süppchen habe ich mir meinen Rucksack geholt und mich warm angezogen. Nach und nach sind dann immer weiter Läufer eingetrudelt. Der letzte und somit 61. Finisher lief nach 47 Stunden und 19 Minuten ins Ziel.

Was ich anders machen würde:

Auf jeden Fall würde ich den Track auf ein zusätzliche GPS Gerät laden, so dass die Wahrscheinlichkeit zum Verlaufen reduziert wird. Zudem würde ich noch einen zusätzlichen Akku Pack mitnehmen um nicht wieder mit Sparflamme laufen zu müssen.

Was ich mir vom Veranstalter wünschen würde:

Gegen Regen und Kälte kann niemand etwas machen, aber man sollte sich wenigstens im Warmen umziehen können und auch Schlafmöglichkeiten sollten bei den letzten Verpflegungsposten zur Verfügung gestellt werden. Schade ist natürlich auch, dass es totenstill für die Läufer mit Zieleinlauf zwischen 24:00 und 7:00 Uhr war.

Mein Fazit

Eine wirklich tolle Plan B Veranstaltung mit all den Vorzügen eines erfahren Laufveranstalters, allerdings leider auch mit einigen Kinderkrankheiten, aber daran lässt sich ja bekannt arbeiten. Ziel sollte es auf jeden Fall sein die Finisherquote von 38% bei der nächsten Durchführung zu erhöhen. Für mich war es ein gelungenes Wochenende, anfangs etwas enttäuscht von der Zeit, aber im nachhinein doch sehr Stolz das Ziel erreicht zu haben.

Begleitet Matthias auf den 70 Kilometern auf dem Weg von Gossensass nach Brixen

70 gehen immer… oder?

Schon als ich im letzten Jahr von dieser Veranstaltung hörte wusste ich, da muss ich dabei sein. 100 Meilen mit einem komfortabelen Zeitfenster von 47 Stunden und bei der Orga war ich mir sicher, da kann gar nichts schiefgehen. Dann kam alles anders, Training war nahezu unmöglich und vieles anders als erwartet, also nutzte ich die vom Veranstalter angebotene Änderungsmöglichkeit der Strecke. Weil meinen „Urlaubstag in den Alpen“ wollte ich mir nicht nehmen lassen und trat somit auf den 70 km von Gossensass nach Brixen an, dem alpinsten und schönsten Teil der Strecke, eigentlich genau mein Ding.

Völlig stressfrei verlief die Anreise am Vortag. Wir haben in allen Startorten mal vorbeigeschaut und viele Läufer schon hier begrüßen können.
Eine Hotelbuchung für Gossensass und auch für den Folgetag in Brixen ließ sich mit dem Smartphone auf der Zugfahrt in Richtung Berge mühelos erledigen.

Statt dem geplanten strahlenden Sonnenschein erwartete uns in Gossensass allerdings ein kalter, grauer, nasser und trostloser Tag. Das Wetter passte jedoch hervorragend zu diesem kleinen vergessenen Örtchen hinterm Brennerpass und auch zum Hotel direkt am Start.

Aufgrund der Witterung war leider auch das Briefing nicht sehr gut besucht, obwohl der Veranstalter wirklich alles getan hat, um es trocken und warm für alle ca. 90 Starter zu gestalten. Das Briefing direkt vom Streckenchef (er muss sich wirklich dreigeteilt haben) war kurz und schmerzlos und sagte für den nächsten Tag Sonnenbrille, Sonnencreme mit kaltem Wind voraus. Genau so hatte ich mir das auch vorgestellt.

Um kurz vor 7 Uhr penible Ausrüstungskontrolle vorm Startbereich. Wie sich herausstellt, wird von vielen Teilnehmern nahezu alles im Rucksack später noch gebraucht.
Um Punkt 7 Uhr werden wir, wie üblich, mit dem Highway to Hell auf eben diesen entlassen.
Locker voran auf den ersten „Trainingshügel“ mit 10% Steigung auf Forst- und Waldwegen zur Bergstation der Rosskopfbahn schön laufbar. Die erste und zweite Verpflegung sind schnell erreicht und wie üblich wird alles was das Läuferherz begehrt dort kredenzt.
Die Sonne zeigt sich nur zögerlich aber die Tendenz zu gutem Wetter ist deutlich zu erkennen.

Nach VP 10 folgt der von Carsten schon beschriebene lange Aufstieg von ca. 1300hm. Anfangs noch in lockerer Steigung wird der Weg langsam aber sicher unwegsamer, bis er schließlich ganz in einer kniehohen Vegetation verschwindet. Nur hier und da schaut noch mal ein Fähnchen der Streckenmarkierung heraus. Im Hellen ist es ziemlich einfach: „Zwischen den Bergen ist die Scharte und genau da musst du hoch, bis es hinübergeht.“ Es ist jetzt ca. 10 Uhr morgens, auf der Nordseite der Berge und der Nordwind ist eiskalt, Sonne nicht zu sehen. Langsam aber sicher schmiegt sich jedes Teil meiner Ausrüstung an meinen Körper. Einfach schneller laufen geht hier nicht.

Oben auf dem Gospeneider Joch herrscht ein straighter kalter Wind, der uns ab jetzt noch ein paar Stunden begleiten wird, da sich die nächsten 25 km der Strecke im hochalpinen Bereich befinden.
Das Penser Joch ist von hier schnell erreicht und hier hat die Verpflegung richtig aufgefahren. Danke Uta für deine Hot Dogs ;) .

Ein langes Stück ohne Verpflegung soll folgen. Ca. 19km lang. Es werden 22, da der nächste VP leicht versetzt wurde.
Dieser Streckenabschnitt ist so schön, ich könnte Bücher darüber schreiben.
Nach gut 1,5 Stunden erreichen wir die Flaggerscharten Hütte (Marburger Hütte). Hier hat die Hüttenwirtin Elisabeth auf eigene Kosten einen Verpflegungspunkt zusammen mit ihren Kindern aufgebaut. Es gibt Südtiroler Rindsbuillion und warmen Kräutertee, von ihren Kids serviert, die draußen in der Eiseskälte auf die Läufer warten und jeden einzelnen feiern.

Ich wollte ihr Blumen mitbringen, hatte aber zuvor nicht bedacht, dass oberhalb von 2000m nicht mehr allzuviel Vegetation zu finden ist. Also mussten ein paar Alpenveilchen herhalten. Sie hat sich riesig gefreut.

Weiter auf der Strecke ging es von einer Scharte zur nächsten. Hochalpines Laufen wie es einfach nur Spaß macht. Mit leichter Kletterei, leichten Abstiegen, Geröllhalden, Steinhaufen, Platten…alles was man als alpiner Läufer toll finden kann.

Zwischendrin immer mal wieder ein durchaus laufbarer Verbindungsweg am Berghang entlang.

Das Wetter bessert sich zusehends und die Sonne schickt warme norditalienische Strahlen durch die fulminanten Wolkenspiele. Dieses Stück ist jetzt zum Genießen da. Haflinger, Bergschafe und Kühe sind hier und da zu finden und sorgen für Unterhaltung auf dem sonst ziemlich menschenleeren Trail.
Beim Abstieg zum VP 12 gibt die Strecke zum ersten Mal den Blick frei auf die Dolomiten, deren Spitzen noch in den Wolken lagen. Wahnsinnig schön.

Am VP 12 stelle ich fest, dass wir uns echt viel Zeit gelassen haben auf dem Zwischenstück. Die Cut-Off-Zeiten sind linear berechnet und ich kann mir schon hier nicht mehr vorstellen, dass alle 70k-Läufer diesen Cut-Off schaffen werden. Mit gut einer Stunde Luft steht das jedoch für uns außer Frage.

Der letzte Anstieg las sich im Streckenprofil nicht sonderlich schlimm. Moderater Aufstieg, nur noch knapp 20km, von denen 12 bergab gehen, sollte kein Problem sein. Weit gefehlt. Locker nach oben geht es auch nach „nur“ 50km nicht mehr und vor allem scheint sich der Weg zur Radlseehütte unendlich hinzuziehen.

Immer wieder folgt noch ein kleiner Aufstieg, aber die permanente Aussicht auf die komplette Dolomitennordseite in sonniger Abendstimmung entschädigt jeden Schmerz.

Hinter der Radlseehütte folgt der von Carsten bereits erwähnte Abstieg, der nach seinen Worten „zu hart gewählt war“. Oh ja, das war er. Her gibt es nichts geschenkt. Ein hartes Stück Arbeit, sich dort durch einen zunächst steinigen losen Berghang und später mit voller Wucht im gleichen Maße in die üppige Vegetation zu stürzen. Es geht wirklich steil bergab.

Nach knapp 5 km ohne Gnade die letzte Verpflegung. Man warnt uns vor, dass die nächsten 3 km nicht sehr viel einfacher werden, also laufen wir doch einfach weiter.
Auch die ersten Häuser von Brixen verheißen noch nicht das Ende des Trails. Erst kurz vor der Kernstadt geht es raus aus dem Wald auf einen asphaltierten Weg. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal über ein Stück Asphalt freue aber hier war es so.

Im Ziel ist um diese Zeit nicht viel los, aber der Zieleinlauf wird wie üblich hochprofessionell und laut moderiert.

Mein Fazit

Ich hatte mir einen lockeren Lauf in den Bergen vorgestellt. Eigentlich war es das ja auch, aber diese Strecke ist keinesfalls zu unterschätzen. Die 100er und auch die 100-Meiler haben auf den letzten 50 km nahezu 50% ihrer Gesamtzeit verbracht. Das gibt vielleicht eine Vorstellung von dem, was dort lauerte. Im Hellen ein wahrhaft herausragender Streckenabschnitt, auf dessen Teile ich mich für den Transalpine in vier Wochen unheimlich freue. Im Dunkeln, nach auch noch 100 km Anlauf, eine wirklich krasse und brettharte alpine Herausforderung an Körper, Geist und Technik.
Für die gut 70 km mit guten 4600 Höhenmetern sind die Cut-Offs großzügig berechnet, man sollte sich jedoch im ersten Teil ranhalten, hinten bleibt da kein Pölsterchen übrig. Grenzerfahrungen im alpinen Bereich sind keine zu verzeichnen, keine ausgesetzten Auf- oder Abstiege, jedoch sind alpine Erfahrung und Trittsicherheit gerade auf dieser Strecke unerlässlich.
Sollte ich je wieder das Wort „Bambini-Lauf“ in den Mund nehmen, möge mich ein Blitz treffen. Es hat riesigen Spaß gemacht und nächstes Jahr wird nicht gekniffen, Alpen X Non-Stop!

Danke Plan B und allen Helfern für dieses tolle Event, Glückwunsch an alle Finisher und Chapeau für jeden, der sich für einen anderen Weg entschieden hat.

Matthias

Von

Kein Felsen zu hoch und kein Fluss zu tief. Es gibt fast nichts, wo Matthias nicht rauf-, drüber- oder durchlaufen möchte. Der Polizeibeamte und Personal Trainer lebt im Harz und fühlt sich auf schmalen Bergtrails, bei Ultras und Etappenrennen zu Hause.
9
Shirts & Caps ab 19,90 € im TrailBlog-Shop

9 Kommentare

  1. Moritz auf der Heide

    Moritz auf der Heide

    So schauts aus! Im Hellen ein wahnsinnig geiles Ding!!! Komme auch wieder!!!

     Antworten ·
  2. Fabian Kaiser

    Hi Carsten,

    ich sollte einer deiner „schnellen“ Mitläufern auf dem letzten Anstieg gewesen sein. Sorry, dass wir dich nicht „mitgenommen“ haben, aber unser übertriebener Ehrgeiz wurde ja ohnehin durch ein längeren Umweg bald bestraft :-) Ich wünsche dir noch eine gute Erholung.

     Antworten ·
    • Carsten

      Carsten

      Hallo Fabian, ich war trotzdem sehr dankbar für das Stück welches ich mit euch zu VP 12 laufen durfte. Danke dafür. Ich wünsche Dir natürlich auch eine gute Erholung und vielleicht bis nächstes Jahr.

       Antworten ·
  3. Cindy

    Tolle Berichte, wenn ich mal groß bin ;) will ich unbedingt den Alpen X rocken, aber 100 Meilen Grandiose Leistungen die ihr beide hingelegt habt. Gute Regeneration und LG Cindy

     Antworten ·
    • Carsten

      Carsten

      Vielen Dank.
      Ich wünsche Dir viele schöne Trainingskilometer beim grosswerden :-)
      Vielleicht sieht man sich ja mal irgendwo. Lg Carsten

       Antworten ·
  4. Matthee Klaus

    Hey Leute, ihr habt es gut beschrieben. Ein Hammer hartes Teil. Anfangs noch Zeiten hochgerechnet hab ich auf dem Weg zur V11 schnell festgestellt das die ersten 100 Km doch nur zum Warmlaufen da waren. Auf diesem Stück noch zu zweit, war ich ab der Marburger Hütte für den Rest allein, was eigentlich die größte Herausforderung darstellte.
    Alles in allem aber eine richtig geile Nummer. Komme auf jeden Fall wieder.
    LG Klaus

     Antworten ·