Bilstein-Marathon und DM Ultratrail

Matthias

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Fotos Michael Hartmann, Hartmut Neugebauer

Rennen

Am Sonntag startete der Bilstein Marathon in seine sechste Auflage. Erstmals wurden auf der Ultradistanz über 65 km und rund 1.750 Höhenmetern auch die Deutschen Meisterschaften der DUV im Ultratrail ausgetragen. Matthias war für uns dabei und findet: Diese Veranstaltung hatte die DM verdient!

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DM mit Dorflauf-Atmosphäre

Der kleine Ort Kleinalmerode in Nordhessen bereitete sich wahrscheinlich schon seit Tagen auf dieses Ereignis vor. So sind alle Straßen frei, Wiesen als Parkmöglichkeit gekennzeichnet und gefühlt der ganze Ort schon bei Ankunft der Läufer um 7 Uhr morgens auf den Beinen. Das Abholen der Startunterlagen im beschaulichen Dorfgemeinschaftshaus läuft völlig problemlos und professionell. Eine Kleiderabgabe gibt es nicht, ist in diesem Rahmen aber auch nicht nötig. Jeder zieht sich dort um, wo er steht und die Taschen werden einfach in einem großen Raum abgestellt. Diebstahlsängste – Fehlanzeige, hier kennt irgendwie jeder jeden.

Alle(s) ganz entspannt am Start (Foto: Michael Hartmann)

Um kurz vor 8 ruft Martin aus dem Veranstalter-Team alle zusammen und dann geht sie ab, die wilde Fahrt. Zunächst über Asphalt durch den Ort in Richtung Wald und Berge. Das Wetter hat ein Einsehen und stellt direkt zum Start das Regnen ein. Die Temperaturen sind mit um 5 Grad Celsius nicht unbedingt super angenehm, jedoch gut zu laufen. Der frische Wind stört nur in den höheren Lagen.

Die Strecke ist hier mit den charakteristischen gelben Pfeilen perfekt markiert und führt am dörflichen Sportplatz vorbei endlich in den Wald. Die leicht zu laufenden Anstiege auf den Forststraßen und das überschaubare Teilnehmerfeld von ca. 300 Ultrastartern tragen zu einem unterhaltsamen Gruppenerlebnis und einem regen Austausch bei. Das sah vorne im Feld sicher etwas anders aus, aber ab den Top 50 wurde nachweislich viel gelacht.

Perfekt markiert: Zunächst geht es auf Asphalt aus Kleinalmerode heraus (Foto: Michael Hartmann)

Unzählige Forststraßenkilometer weiter öffnet sich der Blick auf den Hohen Meißner. Das Profil ist und bleibt wellig, aber immer gut zu laufen. Die Verpflegungen sind mit allem bestückt, was das Läuferherz gebrauchen kann. Das wichtigste jedoch: Unglaublich nette Menschen, die ein nettes Wort und ein Lächeln für die abgekämpften Läufer übrig haben.

Die Langstreckenwanderer sind bereits eine halbe Stunde vor den Ultras gestartet. Sie werden jetzt nach und nach von den Läufern eingesammelt. Bei den Wanderern ist Laufen strengsten untersagt. Sie haben für die 50 km Runde neuneinhalb Stunden Zeit.

64,51 km
Distanz
2.048 m
Anstieg
2.048 m
Abstieg
GPS-Download

Genusslaufen durch die Kirschblüten im Kaufunger Wald

Man merkt, dass bei der Streckenauswahl Trailläufer im Boot waren. Wenn auch manchmal nur für ein paar Hundert Meter, führt die Strecke vom Hauptweg ab, über einen wundervollen weichen Wurzeltrail, bevor er wieder auf die Forststraße mündet. Hier wird wirklich jeder Winkel des Waldes benutzt, dafür werden eben ein paar 90 Grad Kurven eingebaut. Die folgenden Wirtschaftswege sind jedoch immer so lang, dass reichlich Laufanteil übrig bleibt.

Viele Forststraßen, aber nie langweilig (Foto: Michael Hartmann)

Während sich der erste Anstieg auf 12 km recht langgezogen und laufbar gestaltete, so war der zweite zwar deutlich kürzer, aber dafür schon ein bisschen gemeiner. Zudem hat man an dieser Stelle auch schon ca. 38 km in den Beinen, die hoffentlich auch die anderen gemerkt haben.

Der dritte große Anstieg führt dann hinauf zum Markenzeichen des Laufes, dem Bilsteinturm. Wie zu erwarten war, sieht es mit Publikum auf dem Bilstein bei diesem Wetter sehr mau aus. Aber da oben steht eine Dorfkapelle mit Blechblasinstrumenten, die dem Wind und der Kälte trotzt und mit dem ein oder anderen musikalischen Karnevalskracher die Stimmung oben hält. Zeit für ein Foto war hier absolute Pflicht.

Mit Musik ist alles leichter: Der Autor beim Fotostopp am Bilsteinturm

Am Turm selbst gibt es einen warmen Tee. Mit kalten und zittrigen Fingern nimmt hier der ein oder andere Läufer sein Getränk entgegen. Nicht alle haben bei der Kleiderauswahl das goldene Los gezogen. So richtig viel wärmer als am Morgen ist es auch hier bis zum Mittag nicht geworden. Das senfgelbe Laufsinglet vom „TSV Schlagmichtot“ erscheint in seiner Isolationswirkung doch recht eingeschränkt zu sein. Hatte ich beim Start die Leute mit den Handschuhen noch belächelt, hätte ich mir unterwegs diese doch ein paar mal gewünscht.

Vom Bilsteinturm aus sind es noch 13 km bis ins Ziel. Es folgt endlich mal wieder ein Trail. Leider nur sehr kurz, aber dafür umso schlammiger. An dessen Ende stehen zwei Kinder und singen den Läufern ein Ständchen mit Kindergartenliedern.

Es folgt ein langer leichter Abstieg auf einer endlos erscheinenden Forststraße. Immer wenn es leicht bergan geht, fühlt es sich an, als wenn man von einem Gummiseil festgehalten wird. Muss man mal erlebt haben.

Etwa 5 km vor dem Ziel hat man das Gefühl, unten angekommen zu sein. Vor mir sagt ein Läufer dem Streckenposten: „Mir fehlen aber noch ein paar hundert Höhenmeter!“ Der Streckenposten lacht nur und zeigt auf die nächste Hügelkette. Sind wir wohl doch noch nicht da.

Es folgt ein lockeres Auf- und Ab. Die meisten Teilnehmer sind hier schon im Wandermodus und die Sonne ist jetzt hinter den ganztags dunklen Wolken hervorgekommen. Mit anderen Worten: das Laufen macht grad mal so richtig Spaß, trotz über 60 km bis hierher.

Noch ein letzter fieser kleiner Berg zum Schluss und es folgt der steile Downhill mit 90 Grad Kehre ins Ziel. Begleitet vom schallenden Martin, vielen Finishern der Halben- und Marathondistanz, allen Dorfbewohnern Kleinalmerodes und den freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Orte.

Eine individuelle Medaille mit Kirschblüten und das abartig große Kuchenbuffet sind der Lohn der Mühen. Letztes Jahr sollen es 80 Torten gewesen sein. Ich bin mir sicher, 2016 waren es noch mehr.

Liebevoll gestaltete Finisher-Medaille (Foto: Hartmut Neugebauer)

Wieviel Herzblut in dieser Veranstaltung steckt, zeigt auch das Kuchenbuffet (Foto: Hartmut Neugebauer)

Fazit

Ein toller Sonntag, mit vielen guten Bekannten in familiärer Atmosphäre, in einer tollen Gegend. Dieser Lauf ist wirklich zu empfehlen und hatte die DM verdient!

DM Ultratrail: Reichert dominiert, Sina triumphiert

Martin Schedler, Max Kirschbaum, Flo Reichert und Vorjahressieger Benjamin Sperl waren Teil einer sechsköpfigen Gruppe, die es bis KM 17 zusammenblieb (Foto: Hartmut Neugebauer)

Im Meisterschaftsrennen ließen es die Favoriten um Flo Reichert (Arc’teryx) und Martin Schedler (Salomon) zunächst ruhig angehen. Zusammen mit Vorjahressieger Benjamin Sperl, Max Kirschbaum (beide ASICS Frontrunner), Sebastian Francke und dem späteren Zweiten Alexander Dautel (LG Nord) bildete sich eine Gruppe, die bis zur ersten langgezogenen Steigung ab KM 17 Bestand hatte. Anschließend setzte sich Reichert offenbar völlig mühelos von der Gruppe ab und baute seinen Vorsprung bis ins Ziel auf fast 17 Minuten aus.

Bei den Damen ging es deutlich enger zu: Nur 90 Sekunden lagen am Ende zwischen Manishe Sina (Trampelpfadlauf.de / TV Seligenstadt) und Titelverteidigerin Pamela Veith (TSV Kusterdingen) auf Platz 2. Mit sieben Minuten Rückstand komplettierte Silke Pfenningschmidt (SV Brackwede) das Podium.

Top 5 Damen

1. Manishe Sina 5:36:00
2. Pamela Veith 5:37:31
3. Silke Pfenningschmidt 5:44:51
4. Lisa Mehl 5:46:47
5. Evelyn Franke 5:54:47

Top 5 Männer

1. Florian Reichert 4:29:03
2. Alexander Dautel 4:45:37
3. Martin Schedler 4:48:59
4. Max Kirschbaum 4:56:28
5. Sebastian Francke 4:57:09

Flo Reichert im Interview

Flo Reichert feiert seinen ersten DM-Einzeltitel (Foto: Hartmut Neugebauer)

Flo, Glückwunsch zu deinem deutlichen Erfolg! Du hast erst kurzfristig entschieden, bei der DM an den Start zu gehen. Wie kam es dazu?

Das ist richtig. Ursprünglich hatte ich ja geplant, beim Berliner Halbmarathon am 3. April zu starten und dann meinen Vorjahressieg beim Hermannslauf zu verteidigen. Da ich aber im Winter mehrfach krank war und mir unsicher war, wie gut ich diese relativ kurzen und vor allem flachen Strecken wegstecken würde, habe ich mich in den Osterferien für eine Saison mit mehr (Wettkampf-) Kilometern und Höhenmetern entschieden. Durch ein Kurztrainingslager auf La Palma ergab sich dann die Möglichkeit, beim Transvulcania am 7. Mai zu starten, und die DM mit ihren 65 km und 1700 Höhenmetern habe ich als perfekten langen Vorbereitungslauf drei Wochen vor dem Transvulcania gesehen. Da passte einfach alles zusammen. Trotzdem muss ich sagen, dass ich innerlich schon immer mit einem Start spekuliert hatte: immerhin liegt der DM-Austragungsort Kleinalmerode nur eine gute halbe Stunde von meinem Wohnort Göttingen entfernt, und so war es eine tolle Möglichkeit, gemeinsam mit meinen Teamkameraden vom ASFM Göttingen an den Start zu gehen (mit denen wir übrigens auch den Mannschaftstitel gewonnen haben!).

Du konntest dich relativ früh klar absetzen. Wie hast du den Rennverlauf erlebt?

Der Beginn des Rennens war einfach total nett. Zusammen mit dem Vorjahressieger und Vorjahreszweiten, Martin Schedler und Max Kirschbaum, und Bennie Sperl aus Kassel, haben wir uns die ersten 15 km nur unterhalten. Ich lerne das bei diesen langen Wettkämpfen immer mehr zu schätzen, dass man „ins Rennen reinrollen“ kann und nicht gleich 100% geben muss. Als es aber nach 17 km in die erste langgezogene Steigung ging habe ich gemerkt, dass die anderen zurückfielen, obwohl ich einfach nur locker mein Tempo weitergelaufen bin. Ich habe dann kurz überlegt zu warten, weil ich keine 45 km alleine laufen wollte. Aber in dem Moment wäre es für mich anstrengender gewesen, mich im Tempo anzupassen als einfach meinen Rhythmus zu laufen… Und so ist der Vorsprung dann nach und nach doch recht beträchtlich angewachsen.

Nach über 20 Jahren Leistungssport jetzt also dein erster DM-Titel im Einzel. Wie fühlt sich das an?

Grandios, keine Frage! Auch der deutsche Meistertitel mit der Mannschaft im Marathon 2012 war ein tolles Erlebnis, aber dieser Titel war einfach etwas sehr emotionales für mich. Vielleicht auch, weil es einfach von Anfang an sehr gut lief und ich das Rennen so auch vollkommen genießen konnte. Es hat einfach Spaß gemacht!

Der Transvulcania in drei Wochen wird sicher ein ganz anderes Rennen. Was hast du dir dafür vorgenommen?

Das stimmt! Bei der DM kam mir die Strecke sehr zugute, ich bin einfach gut damit zurecht gekommen. Das liegt sicherlich auch daran, dass ein Großteil meines Trainings auf ähnlichen Wegen und mit ähnlichen Höhenmetern geschieht wie bei der DM. Für mich ist es einfach sehr schwer bzw. unmöglich, auf alpinen Wegen zu trainieren – besonders auch das Bergablaufen. Da habe ich mich zwar in den letzten Jahren extrem verbessert, aber das liegt wohl eher an der Rennpraxis bei solchen Läufen. Für ein wirkliches Topergebnis beim Transvulcania – was ich mir durchaus in Zukunft zutraue – fehlen mir in diesem Jahr einfach die Höhenmeter und auch die Umfänge. Ich gehe von einer Laufzeit von 8 bis 9 Stunden aus, und so etwas simuliere ich im Training nie! Von daher möchte ich einfach nur gut und heile durchkommen und das Rennen genießen!

Danke und viel Erfolg auf La Palma!

Danke euch!

Matthias

Von

Kein Felsen zu hoch und kein Fluss zu tief. Es gibt fast nichts, wo Matthias nicht rauf-, drüber- oder durchlaufen möchte. Der Polizeibeamte und Personal Trainer lebt im Harz und fühlt sich auf schmalen Bergtrails, bei Ultras und Etappenrennen zu Hause.
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2 Kommentare

  1. Martin

    Gratuliere zum Lauf.

    Ich war zwar nur auf der BiMa21-Strecke dabei, aber den Gummiseil-Effekt beim „Abstieg“ hatte ich auch.
    Wie du richtig schreibst: die Helfer waren der Hammer. Sowas Nettes. Macht einfach Lust, sich sofort für’s nächste Jahr anzumelden. Dann aber für die Ultra-Distanz. Nächstes Jahr sind es auch nur 57 km. :)

    So, dann werde ich auch mal meinen Bericht fertig schreiben.

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