© BMW AG/Mo Garhammer
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BMW Laufsport Blogger Camp 2013

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Ein grauer, kalter Tag im März. Ich überfliege meine E-Mails und bleibe an einer Nachricht hängen. Betreff: „Save-the-date/Einladung: BMW Laufsport Blogger Camp“. Drei Tage im Juni, im Edel-Hotel am Tegernsee, mit Jan Fitschen und Ingalena Heuck.

Klingt nach Spam, ist es aber nicht. Ich lese die E-Mail noch ein zweites Mal. Klar, BMW engagiert sich seit einigen Jahren im großen Stil als Sponsor, z.B. bei den Marathons in Berlin und Frankfurt. Aber warum lädt der Autobauer ein knappes Dutzend Lauf-Blogger zu einem Verwöhnprogramm an den Alpenrand? Will BMW neben den Spitzensportlern auch uns Blogger als – im doppelten Sinne schleichende – Werbeträger gewinnen? Oder geht es dem Unternehmen wirklich darum, uns und die Laufszene besser kennenzulernen?

Mein Eindruck in Kurzfassung: Ja, BMW meint es ernst mit dem Engagement im Laufsport und versteht tatsächlich, wie wir Läufer ticken. Glaubt ihr nicht? Dann lest die ganze Story. Aber Achtung: Kann Spuren von Endorphinen enthalten!

I. Läufer sind Sie?!

Knapp drei Monate später: David und Nicla von BMW begrüßen uns per Handschlag in einer Halle in Garching bei München. Schnell ist klar, dass das hier kein gewöhnliches Presse-Event ist. Anzug- und Bedenken-Träger? Fehlanzeige. Jeder von uns darf anschließend ein Fahrzeug für das Wochenende in Empfang nehmen. Als bekennender SUV-Skeptiker fällt meine Wahl bewusst auf einen X1. Vielleicht kann mich ja dieses Exemplar überzeugen? Um es vorweg zu nehmen: Nicht ganz. Ein schickes Teil, aber für meinen Geschmack trotz 2-Liter-Maschine etwas zu schwerfällig. Von Garching aus geht es dann zur futuristischen BMW-Welt am Olympiapark.

Dort wartet mit Ingalena „Leni“ Heuck schon eine der beiden BMW-Laufbotschafter auf uns. Obwohl – oder vielleicht gerade weil – Leni erst kürzlich ihren endgültigen Abschied vom Leistungssport verkündet hat, scheint sie sich richtig auf das Wochenende zu freuen. Ihre gute Laune überträgt sich gleich auf die ganze Gruppe. Daran hat natürlich auch Kollege Eddy seinen Anteil, bei dem wie immer ein lockerer Spruch den nächsten jagt. Für Lacher sorgt auch der Guide im BMW-Museum, der sich zwar in der Unternehmensgeschichte bestens auskennt, aber wohl länger nicht mehr zur aktuellen Strategie gebrieft wurde: „Läufer sind Sie? Ich wusste gar nicht, dass BMW so etwas sponsert!“

Nach einem Abendessen fahren wir in Kolonne zum Hotel am Tegernsee. Der eifrige Page lotst uns in die Tiefgarage. Dort parkt automobiles Anlagevermögen im Millionenbereich, so dass selbst unsere schneeweiße BMW-Armada dagegen etwas verblasst. Keine Zweifel, diese Unterkunft fällt in die gehobene Kategorie. Goldene Wasserhähne und Marmorböden inklusive. Als Läufer übernachtet man ja oft genug in spartanischen Herbergen, warum also nicht mal ein bißchen Luxus? In meinem Zimmer verlaufe ich mich fast. Irgendwann finde ich dann doch noch ins Bett. Und träume dann tatsächlich von Autos. Scheint ja gut zu funktionieren, das mit der unterbewussten Konditionierung…

II. Von Waden, Wagen und Wackelbrettern

Zum Frühstück am nächsten Morgen stößt auch Jan Fitschen dazu. Obwohl wir ihn alle bislang nur aus der Sportschau kannten – Hand hoch wer dieses Youtube-Video nicht mindestens 100 mal gesehen hat – vermittelt Jan gleich den Eindruck, einer von uns zu sein. Beim gemeinsamen Lauf rund um Rottach beantwortet er unsere Fragen zu Trainingsplänen, Wettkämpfen und Verletzungen, als wenn wir alle die gleichen Umfänge trainieren würden. Auch für Eddys Späße ist er sich nicht zu schade; nicht einmal für eine Laufstilanalyse, obwohl das bei einigen von uns nicht viel mit Stil zu tun hat (sorry, Jungs!). Vielleicht erregen die Steigerungsläufe in der Hoteleinfahrt deshalb so viel Aufsehen. Vielleicht sind es aber auch unsere gestählten Waden, die die gut betuchten Damen und Herren in Aufregung versetzen. In dubio pro reo.

Nach dem Mittagessen – à la carte, versteht sich – fährt BMW zwei der voll-elektrisch angetriebenen ActiveE-Modelle vor. Die gibt es so nicht zu kaufen und machen deshalb sogar die umstehenden Besitzer spritschluckender Nobelkarossen neugierig. Einer der Herren interessiert sich nicht nur für das Elektroauto, sondern will auch gleich Leni für die Konkurrenz aus Stuttgart verpflichten. Leni lehnt natürlich dankend ab und begleitet uns stattdessen auf der Probefahrt im ActiveE. Der Wagen überrascht mich sehr positiv. Keine Spur von Verzicht, weder bei der Ausstattung, noch beim Fahrspaß. Der Elektromotor reagiert blitzschnell auf das „Gas“-Pedal und die Durchzugskraft ist wirklich beeindruckend. Bei Kofferraumvolumen und Reichweite muss man natürlich Abstriche machen, aber mit 160 km ist er gerade für Städter sicherlich alltagstauglich. Ein vergleichbarer Antrieb kommt übrigens im i3 zum Einsatz, der ab Ende des Jahres in Serie geht.

Die zweite Trainingseinheit des Tages dreht sich um Stabilitäts- und Kraftübungen. Jan outet sich als Stabi-Muffel, packt dann aber ein erstaunliches Arsenal an Folterwerkzeugen aus. Wie wäre es z.B. mit Liegestütze auf Gymnastik-Bällen? Klingt lustig und sieht auch so aus, vor allem, als wir es nachturnen. Trotz der lockeren Stimmung nehmen wir alle einige Übungen mit, die wir bisher noch nicht kannten.

Und dann steht auf einmal Martin Grüning auf der Matte. Martin ist stellvertretender Chefredakteur der Runner’s World, ein echter Journalist also. Seine investigativen Fähigkeiten stellt er gleich unter Beweis und errät beim ersten Versuch, dass Jan beim Abendessen Ugali für uns kochen wird. Das Leibgericht der kenianischen Wunderläufer stößt bei den Anwesenden aber eher auf wenig Begeisterung. Es schmeckt nicht schlecht, sondern schlicht nach nichts. Lenis Drei-Gänge-Menü findet dagegen (fast) nur Lob: Martin stören die Pinienkerne im Dessert. Aber wer seine Kolumnen in der Runner’s World kennt, weiß, dass der Mann eigentlich immer irgendetwas auszusetzen hat. Leni nimmt’s sportlich und der Abend hält noch viele Gespräche bereit.

III. Aus Freude am Laufen

Den Sonntag beginnen Leni, Hannes, Heiko, Henrik (ohne d) und ich um viertel nach sechs mit einer Halbmarathon-Runde um den Tegernsee. Nach einem Kneipbad im eiskalten See geht’s zum letzten mal ans reichhaltige Frühstücksbuffet. Dann ist das Camp leider auch schon vorbei.

In 48 intensiven Stunden haben wir nicht nur BMW, sondern auch die Blogger-Kollegen sowie Jan und Ingalena aus ganz neuen Perspektiven kennengelernt. Natürlich will BMW letztlich Autos verkaufen. Aber nach diesem Wochenende ist klar, dass das Engagement im Laufsport kein billiger Werbe-Gag ist. Dahinter steckt eine kostspieliges, langfristiges Investment, von dem im Idealfall am Ende alle profitieren: Das Unternehmen, Spitzenathleten und Freizeitläufer. Auch wenn wir mit unterschiedlichen Augen auf den Laufsport blicken, nach dem Wochenende ist klar, dass uns alle eines verbindet: Die Freude am Laufen.

IV. Applaus und Zugabe

Das zeigt sich dann auch nach dem offiziellen Teil des Camps. Leni und ich haben beide noch einige Stunden Zeit und entschließen uns zu einer Tour über den Fockenstein (1.564 m ü.NN). Beim Aufstieg sprechen wir schnell nicht mehr nur über das Laufen, sondern auch über das, was uns im Leben sonst noch so bewegt. Dabei kommen wir soweit von dem geplanten Rundkurs ab, dass wir nicht wieder am Ausgangspunkt in Bad Wiessee, sondern kurz vor Bad Tölz landen. Ein guter Freund, bei dem ich die nächsten Tage am Tegernsee verbringe, holt uns ab und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Diese Läufer…

Hendrik

Von

Hendrik ist leidenschaftlicher Trailrunner und Gründer des TrailBlog. Neben kurzen, steilen Rennen reizen ihn lange Touren auf eigene Faust in den Bergen. Hendrik ist ASICS Frontrunner und wird unterstützt von Garmin, SZIOLS und ultraSPORTS. Folge ihm auch auf Strava, Twitter und Instagram.
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9 Kommentare

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  1. Laufhannes

    Da hast du ja doch noch einiges zum Erzählen gefunden ;-)

    Auch sehr schön geschrieben. Und grandios, dass ihr beiden euch dann auch tatsächlich noch verlaufen habt. Aber die Zugabe zeigt eben, dass Leni das alles sehr gerne mitgemacht hat.

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  2. Din

    Ein schöner Bericht, der mich ein wenig dafür entschädigt, dass ich nicht dabei sein konnte. Lieben Dank, dass du uns so an diesem schönen Wochenende hast teilhaben lassen.

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  3. Eddy

    Du hast es geschafft, ein tolles Wochenende toll zusammenzufassen: Dankeschön für diesen Bericht, Hendrik! Ich habe mich sehr gefreut, Euch alle kennenzulernen und stelle fest: wir Läufer sind durch die Bank total sympathische Typen! ;)

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  4. Mein Tegernsee

    Die Überfahrt am Tegernsee ist natürlich ein Highlight. Schöner Bericht! Viele Grüße vom Tegernsee von Blogger-Kollegen ;-)

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