Daniel Jung: „In erster Linie zählen Spaß und Gesundheit!“

Hendrik

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Fotos Harald Wisthaler / Hendrik Auf'mkolk

Athleten / Interviews

Daniel Jung ist einer der Aufsteiger der Saison. Wir haben mit dem sympathischen Südtiroler über Training, Ausrüstung und den Unterschied zwischen Mountainbikern und Trailrunnern gesprochen.

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Daniel, du hast gerade einen richtigen Lauf: Sieg und Streckenrekord beim Cortina Skyrace, Sieg beim Dolomiti Extreme Trail, Zweiter beim Innsbruck Alpine Trail. Wie kommt’s?

Hartes Training, den ganzen Winter trainieren, viel Übungen und Gymnastik. Dazu kommt viel Disziplin und mega viel Spaß beim Trailrunning. Ich kann mich einfach richtig entfalten bei diesem Sport und genieße jede Minute, die ich auf dem Trail unterwegs bin.

Du bist bei kurzen steilen Bergläufen, bei Ultratrails und auch bei Etappenläufen wie dem Transalpine Run ganz vorne mit dabei. Wie trainiert man für so unterschiedliche Distanzen? Wie sieht eine typische Trainingswoche bei dir aus?

Mein Training schaut jede Woche anders aus und findet zu 90 Prozent auf Trails statt. Ich hasse Forst- und Asphaltstraßen, aber manchmal muss das leider auch sein. Ansonsten mache ich pro Woche grundsätzlich eine lange Einheit über 5-10 Stunden im Grundlagenbereich, eine mittlere Einheit um die 3-4 Stunden im Kraftausdauer-Bereich und dann noch 1-2 kurze Einheiten über 1-2 Stunden als Intervall-Training. Gestalte dein Training härter als den Wettkampf, nur so kannst du besser werden.

Ich trainiere aber immer so, wie es zeitlich passt und wie ich mich gerade fühle. Während der Hauptsaison dann mehr kurze als lange Einheiten. Zum Ausgleich mache ich am Wochenende schöne und entspannte Bergtouren mit meiner Freundin. Diese Kombination aus allem macht mich auch für diese verschiedenen Distanzen fit.

Entspannter Typ: Daniel Jung Ende Juni bei der Pressekonferenz zum TAR 2016

Was machst du beruflich? Wie bringst du Job und Training unter einen Hut?

Ich bin Saunameister, also ist Hitze kein Problem für mich. Bikeguide ist eine schöne Abwechslung für mich. Dadurch bleibe ich auch ein wenig meinem vorherigen Sport treu. Dazu arbeite ich noch ein wenig als Elektriker, diesen Beruf habe ich gelernt und bleibe somit auch dort ein wenig in Schwung. Manchmal ist es wirklich ziemlich hart, alles unter einem Hut zu bekommen… aber wenn man Spaß an der Sache hat, findet man immer genügend Zeit.

Du hast es gerade erwähnt: Du kommst aus dem Mountainbike-Sport und hast erst vor zwei Jahren auf die Laufschuhe umgesattelt. Was reizt dich am Trailrunning? Welche Parallelen und Unterschiede siehst du zwischen den beiden Sportarten?

Trailrunning heißt einfach Freiheit und unbegrenzte Möglichkeiten. Zudem sind die Leute im Trailrunning viel lockerer und nicht so verbissen. Alles läuft immer total familiär. Ich finde das Laufen für mich persönlicher einfacher, da ich mich dort mehr quälen und einfach meinen Traum leben kann. Biken ist mir einfach zu viel Material… beim Laufen gibt’s nur Schuhe und ein wenig Ausrüstung…den Rest müssen die Beine und Kopf erledigen… kein Gramm-Zählen hier oder da.

Ansonsten kommt mir meine Mountainbike-Vergangenheit wirklich fast nur zu Gute. Die Muskulatur ist dadurch perfekt für das Trailrunning geeignet. Man hat nur das Problem, dass man durch das Mountainbiken langsamer im Flachen wird… aber man kann nicht alles haben (lacht).

Ausnahmsweise ohne Stöcke: Daniel zeigt, wie es möglichst effizient bergauf geht

Du bist meist mit auffällig kurzen Stöcken unterwegs. Im oberen Teil sind sie gebogen. Klär uns mal auf: Welche Vorteile hat das? Nutzt du sie auch im Downhill, oder sind sie dafür zu kurz?

Ja, diese Stecken sind eine Erfindung von Fulvio Chiocchetti, eines Italieners, der sie eigentlich für älteren Menschen gemacht hat, um ihnen das Gehen zu erleichtern. Er hat dann aber gesehen, dass diese Stöcke noch viele andere Vorteile haben und für Traílrunner eine Riesenunterstützung sind. Vor allem hat man bei richtig steilen Anstiegen die Stöcke direkt vor sich und nicht über dem eigenen Körper. Das ermöglicht eine viel ergonomischere Haltung. So kann man die Kraft aus dem Oberkörper viel besser übertragen und die Beine mehr entlasten.

Durch die Biegung der Stöcke hat man auch eine andere Belastung im Oberköper. Zudem schont man den Rücken und Schulterbereich, da man die Arme nie nach oben heben muss, sondern immer nur nach vorne. Bergab läuft auch wirklich super, da man näher am Boden ist und man somit einen tieferen Schwerpunkt hat. Normalerweise habe ich eine Stocklänge von 120 cm, bei den Stöcken von N&Wcurve habe ich 94 cm.

Als Südtiroler kennst du die Trailrunning-Szene in Italien, Österreich und Deutschland. Hand auf’s Herz: Was können wir von euch lernen?

Hart trainieren und die Berge lieben! Ich denke, dass das einfach in unseren Genen liegt. Wir sind schon von früher als Bergleute harte Arbeit gewohnt und dies hat sich sicher auch ein wenig auch auf uns übertragen. Das gute Essen und die lockere Kultur machen sicher auch sehr viel aus. Man muss das Leben zu schätzen wissen und aus jedem Tag das Beste machen. Ich denke einfach, dass die Lockerheit und Mentalität uns Südländern ein kleines Plus bringt.

Ivan Paulmichl und Daniel Jung beim Transalpine Run 2015 (Foto: Harald Wisthaler)

Du startest dieses Jahr wieder beim Transalpine Run. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei – nach den Plätzen 3 und 2 in den Vorjahren sehen wir dich diesmal also ganz oben auf dem Podest, oder?

Mal schauen. Natürlich wäre dies ein großer Traum von mir und ich arbeite auch sehr hart dafür. Aber in erster Linie zählen der Spaß, die Gesundheit und das Ziel in Brixen. Was dann kommt, weiß niemand.

Bei einem Etappenrennen kann immer sehr viel passieren. Wichtig ist, dass man topfit und gut vorbereitet an den Start geht. Zudem sollte man einen passenden und gleichgesinnten Partner haben. Dieses Jahr laufe ich ja mit einem neuem Partner – Helmut Schiessl – und bin freue mich schon sehr auf diese neue Herausforderung. Denn Helmut ist ein sehr bekannter und extrem erfahrener Bergläufer. Nicht umsonst war er schon mal Berglaufweltmeister. Also lassen wir uns mal überraschen. Ich freue mich auch, dass Ivan Paulmichl, mein Teampartner der letzten Jahre, wieder dabei ist und wir heuer mal gegeneinander laufen können. Das wird sicher spannend und ein cooler Fight (lacht).

Die Strecke führt diesmal über eine neue Route mit noch höherem Singletrail-Anteil. Kommt dir das gelegen?

Auf jedem Fall. Ich liebe technische und harte Sachen, dies sind genau die Trails, die auch in meinem Training täglich vorkommen. Lieber 100 km extrem technisch als 42 km flach auf Asphalt. Mir kann es eigentlich nicht technisch genug sein. Dort hab ich totalen Spaß und kann das Trailrunning so richtig genießen.

Welche Rennen stehen sonst noch auf deinem Wunschzettel? Wo willst du unbedingt mal starten?

Ende Juli steht noch ein echtes Highlight an – das Südtirol Ultraskyrace. Danach wird die ganze Vorbereitung auf den TAR ausgerichtet. Im Herbst folgen dann noch zwei Ultras um die 9 0km und 5000 hm. Einige Rennen der Ultra-Trail World Tour wie Transgrancanaria, MIUT, Lavaredo und Eiger Ultra Trail reizen mich wirklich sehr. Aber es gibt auch noch ein paar richtig schöne andere Läufe, die ich nächstes Jahr gerne machen möchte, wie z.B. Zegama und den Alpen X 100. Der UTMB soll dann 2018 in Angriff genommen werden!

Danke für das Interview und weiterhin viel Spaß und Erfolg!

Danke dir und schöne Grüße aus Südtirol.

Hendrik

Von

Hendrik ist leidenschaftlicher Trailrunner und Gründer des TrailBlog. Neben kurzen, steilen Rennen reizen ihn lange Touren auf eigene Faust in den Bergen. Hendrik ist ASICS Frontrunner und wird unterstützt von Garmin, SZIOLS und ultraSPORTS. Folge ihm auch auf Strava, Twitter und Instagram.
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1 Kommentar

  1. Tamara

    Super Daniel! Südtirol ist stolz auf Dich! Herzlichen Glückwunsch Dir und Helmut Schiessl zum sensationellen Gesamtsieg des Transalpine Run Gesamtsieg 2016!

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