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Die Garmin Fenix wird zur Smartwatch

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Mit dem nächsten Firmware-Update bekommt die Garmin Fenix endlich einen Intervall-Modus. Und ein völlig neues Feature: iOS-Benachrichtigungen via Bluetooth.

Am Donnerstag hat Garmin eine Beta-Version der Firmware 4.01 veröffentlicht. Die beiden wichtigsten Neuerungen stelle ich euch hier vor.

Intervall-Modus

Der fehlende Intervall-Modus sorgte bislang in vielen Testberichten für Punktabzug. Zwar vermarktet Garmin die Fenix primär als Outdoor- und weniger als Laufsport-Uhr. Wegen ihrer Navigations-Funktionen und der hervorragenden Akkulaufzeit ist sie aber auch bei Trailrunnern und Ultraläufern beliebt. Und die trainieren eben manchmal doch Tempo nach Plan, auch wenn sie das ungern zugeben.

Um den Intervall-Modus auf der Fenix nutzen zu können, muss man ihn erst einmal zum Hauptmenü hinzufügen. Das erledigt man unter Einstellungen > Menü > Seite neu > Workouts. Danach funktioniert er genau so, wie man es von anderen Garmin-Modellen kennt. Neue Trainingseinheiten können direkt auf der Fenix oder – deutlich komfortabler – auf Garmin Connect erstellt werden.

iOS-Benachrichtigungen

Die zweite Neuerung fällt je nach persönlichem Nerd-Faktor in die Kategorie Spielerei oder Meilenstein: Die Fenix empfängt jetzt Push-Nachrichten vom iPhone. So kann auf längeren Touren das Handy im Rucksack bleiben und trotzdem wird man über Anrufe, E-Mails oder Bundesliga-Ergebnisse informiert. Damit mausert sich die Fenix zur Smartwatch.

Um iOS-Benachrichtigungen zu empfangen, koppelt man Fenix und iPhone einmalig per Bluetooth. Die Fenix nutzt den akkuschonenden Bluetooth Low Energy Standard. Deshalb benötigt man ein iPhone 4S oder neuer. Anschließend kann man festlegen, ob und wann die beiden Geräte sich automatisch verbinden sollen. Leider kann der Chipsatz der Fenix nicht gleichzeitig Bluetooth- und ANT-Signale empfangen. Auf Daten von ANT-Sensoren (Pulsgurt etc.) muss man im Bluetooth-Modus also verzichten.

Die Fenix zeigt alle Benachrichtigungen an, die auf dem iPhone eingehen. Welche das sind, legt man auf dem iPhone unter Einstellungen > Mitteilungen fest. Längere Nachrichten können mit einem Druck auf den Menüknopf auch in voller Länge auf der Fenix gelesen werden.

Praxistest

Die neuen Funktionen sind ausgereift und auch im Detail gut umgesetzt. So zeigt die Fenix z.B. passende Symbole für Anrufe, SMS, E-Mails etc. Obwohl es sich noch um Beta-Software handelt, konnte ich keine Bugs finden. Den Beta-Status erkennt man nur daran, dass einige der neuen Menüs noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Auf die Akkulaufzeit wirkt sich der Bluetooth-Modus übrigens nicht spürbar aus: Meine voll geladene Fenix meldete nach einem einstündigen Lauf mit mehreren eingehenden Nachrichten immer noch 95% Restladung.

Installation

Das Update wird bislang noch nicht automatisch geladen. Wer die Beta-Version trotzdem schon ausprobieren möchte, kann das Installationsprogramm hier herunterladen.

Das Programm läuft leider nur unter Windows. Mit etwas Handarbeit und auf eigene Gefahr kommen aber auch Mac-Nutzer an die neue Firmware: Dazu die .exe-Datei z.B. mit Keka entpacken. Anschließend im Ordner /fenix_D2_tactix_401Beta/fenix/Garmin/ die Datei GUPDATE.GCD finden und auf die Fenix in den Ordner /Garmin/ kopieren. Wenn die Datei vollständig kopiert wurde, kann man die Fenix vom Mac trennen. Die Uhr startet dann neu und installiert die Firmware.

Ausblick

Garmin ist offensichtlich gewillt, die Fenix auch ein Jahr nach Markteinführung noch mit neuen Funktionen auszustatten. Da gerät man natürlich schnell ins Wünschen. Ganz oben auf meiner Wunschliste: Eine Möglichkeit, Aktivitäten direkt von der Fenix auf Garmin Connect hochzuladen. Über die iPhone-App, ohne PC. Die Forerunner 220 und 620 können das schon – technisch ist es also machbar. Und gerade bei einer Outdoor-Uhr wie der Fenix wäre es doch super, wenn man den Laptop zu Hause lassen könnte.

Hendrik

Von

Hendrik ist leidenschaftlicher Trailrunner und Gründer des TrailBlog. Neben kurzen, steilen Rennen reizen ihn lange Touren auf eigene Faust in den Bergen. Hendrik ist ASICS Frontrunner und wird unterstützt von Garmin, SZIOLS und ultraSPORTS. Folge ihm auch auf Strava, Twitter und Instagram.
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12 Kommentare

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  1. Brennr.de

    Emails auf der Laufuhr? Mal ganz ehrlich, wer braucht sowas? Zumal das Ganze ja eh nur in Verbindung mit dem Smartphone funktioniert. Man läuft doch unter anderem auch, um dem Alltag zu entfliehen. Da brauche ich keine Mails, SMS, Ergebnisse oder Anrufe. In meinen Augen eine absolut sinnfreie Funktion. Und lesen kann man auf diesem kleinen Display eh nicht vernünftig. Spätestens wenn man das erste Mal gegen einen Baum geknallt ist, wird man es sein lassen. Die Intervallfunktionalität ist dagegen deutlich sinnvoller.

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    • Hendrik Auf'mkolk

      Hendrik Auf’mkolk

      Sehe ich im Prinzip ähnlich, Christian. E-Mails würde ich auf dem kleinen Display auch nicht lesen wollen, das ist eher Spielerei. Und das schöne am Laufen (ohne Handy) ist ja, dass man mal für eine gewisse Zeit nicht erreichbar ist. Aber auf längeren Touren ist das Handy dann ja doch meist dabei. Da finde ich es schon praktisch, zu wissen, wer da was von einem will, ohne das Handy hervorkramen zu müssen. Dann kann man selbst entscheiden, ob man reagiert oder einfach weiterläuft :-)

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      • Brennr.de

        Ok, da ich mein Handy selten dabei habe und nicht extrem lang unterwegs bin, kann ich mit der Funktion vielleicht nichts anfangen. Du hast diesbzgl. mehr Erfahrung, daher glaube ich Dir einfach mal. ;-)

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    • Herr RUNssel

      Sehr guter Kommentar!

      Lediglich die Intervallfunktionalität hat dieser „Über-Uhr“ noch gefehlt um perfekt zu werden. Der Rest ist in meinen Augen purer Schwachsinn.

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  2. -timekiller-

    Nur weil etwas technisch möglich ist, ist es noch lange nicht sinnvoll. Aber vielleicht sehe ich das auch zu sehr durch die Läuferbrille. Die Fenix ist ja doch eher eine Outdoor-Uhr. Und beim Wandern habe dann auch ich ein Handy dabei, falls ich mich mal verlaufe.

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    • Hendrik Auf'mkolk

      Hendrik Auf’mkolk

      Volle Zustimmung Männer, deshalb schrieb ich ja auch von Spielerei ;-) Ich finde an der Geschichte vor allem spannend, dass bei der Fenix bislang regelmäßig neue Funktionen per Firmware-Update hinzukommen. Welche man davon tatsächlich nutzt, bleibt ja jedem selbst überlassen.

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  3. Rene

    Nicht nur Läufer sind Nutzer der Uhr. Womöglich kann man sogar behaupten, dass die Uhr nichtmal für Läufer entwickelt wurde. Für mich ist der Nutzen der iOS Benachrichtigungen jedenfalls gegeben.

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  4. osteigenberger

    Ich halte die Benachrichtigung für eine gute Sache. Beispiel. Mountainbike, die Vögle zwitschern, Puls stimmt und dann klingelt das handy im Rucksack. Nach 15 Minuten Hin- und Her-Überlegen hält man och an, kramt es raus nur um festzustellen dass es nicht wichtig war. Ich werde diese Funktion sicher nutzen…..

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  5. andy

    Eine Möglichkeit, Aktivitäten direkt von der Fenix auf Garmin Connect hochzuladen.
    Das sollte jetzt ja möglich sein, nach dem update heute. Nur wie? Fehlt da nicht eine neue Firmware der Fenix?

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  6. Nico

    Hallo! Bietet die Fenix1 nach dem Update auch den Multisport-Modus der Fenix2? Wird dieser neue Brustgurt mit dem Beschleunigungssensor der FR620/ Fenix2 unterstützt? Wenn das der Fall wäre, dann würde es sich ja tatsächlich nur um ein kleines optisches Update handeln und diese 279,- wären ein echter Schnapper. :) Ich muss zugeben, mich interessieren eher die Sportfunktionen in der doch recht ansehnlichen Uhr. Bisher laufe ich mit der FR305 und blicke neidisch auf die neuen Funktionen der FR620.

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    • Hendrik

      Hendrik

      Hallo Nico, der Multisport-Modus und die Laufeffizienz-Funktionen des neuen Brustgurtes bleiben nach derzeitigem Stand der Dinge wohl der Fenix 2 vorbehalten.

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