Kapstadt – Ein Laufparadies auf Erden

Dienstreise und Training miteinander verbinden - glücklich, wer die Gelegenheit dazu hat. Unser Autor nutzte einen Business-Trip nach Kapstadt, um die Trails rund um den Tafelberg unter die Laufschuhe zu nehmen. Hier sein Bericht aus der "Mother City".

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Dienstreise

Durch ein Projekt hat es mich Mitte April für eine Woche nach Kapstadt verschlagen. Nur am Rande erwähnt ging es bei diesem Projekt um drei Stromversorgungstestsysteme eines großen Südafrikanischen Telefon Netzanbieters in denen einige elektronische Komponenten ausgetauscht werden mußten.

Kapstadt, auch „Mother City“ genannt, gehört mit Recht zu einer der schönsten Städten der Welt. Direkt um das Stadtzentrum und im Umkreis von 50 km von Kapstadt befindet sich bereits eine große Auswahl von Ausflugszielen & Sehenswürdigkeiten. Kapstadt liegt im Südwesten der Republik Südafrika unmittelbar an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeans. Die Metropolgemeinde Kapstadt hatte 2011 bei der letzten Volkszählung 3,7 Millionen Einwohner und ist damit nach Johannesburg die zweitgrößte Stadt Südafrikas. In der Kernstadt sprechen fast 70 % Englisch, was die Verständigung mit den Einheimischen sehr einfach macht. Da sich Südafrika auf dem gleichen Längengrad wie Deutschland befindet gibt es keine Zeitverschiebung.

Oft ist es ja bei Dienstreisen so, daß die eigene Zeit sehr knapp bemessen ist, da man von Meeting zu Meeting eilen muss. Dazu kommen üppige Frühstückbuffets, Lunch und späte Abendessen mit Geschäftskollegen, gelegentlich wird auch mal ein Bierchen getrunken. Da bleibt oft keine Zeit zum Training – auch wenn der nächste Wettkamp eigentlich gut vorbereitet sein sollte. Ein Alptraum für jeden (ambitionierten) Läufer.

Die Tests waren von Montagnachmittag bis Donnerstagmittag geplant. Meine Rückreise konnte ich auf Sonntag legen um so zwei freie Tage zur Verfügung zu haben. Zudem wäre ich bei Problemen oder Verzögerungen noch für den Kunden erreichbar gewesen.

Blick auf Kapstadt

Hinflug und der erste Tag

Für die Hinreise am Sonntag hatte ich einen Direktflug von Zürich zum 9100 km entfernten Kapstadt. Die meisten Flüge gehen allerdings über Johannesburg und man muss Umsteigezeiten in Kauf nehmen. Der Flug startete etwas verspätet und kam gegen 7:00 am Montagmorgen an. Mit dem Taxi ging es durch die verstopften Strassen zum Hotel. Leider war mein Zimmer um diese Zeit noch nicht bezugsbereit und ich musste fast eine Stunde in der Lobby warten. Ich sah die Zeit nur so verrinnen und ärgerte mich immer mehr, da ich noch vor dem ersten Meeting eine kleine Runde am Meer laufen wollte. Ok, als der Rezeptionist mir den Schlüssel gab, musste alles ganz schnell gehen. Sakko, Hemd und Hose aus, rein in die Laufklamotten und los ging es. Da mir bis zum ersten Treffen mit Kollegen nun nicht mehr viel Zeit blieb, musste ich entweder eine kürzere Strecke laufen oder etwas schneller. Ich entschied mich für die zweite Variante und lief 5 km die Promenade bis zum Sea Point Swimming Pool und zurück. Es tat richtig gut nach so einem langen Flug. Es lohnt sich an dieser Promenade einmal zu laufen, klar ist kein Trail, aber trotzdem sehr schön. Duschen, Treffen mit den Kollegen und dann stellt sich raus, daß unser Material noch nicht aus dem Zoll ist. Super, der ganze Stress umsonst. Wir haben dann versucht dem Zoll etwas auf die Sprünge zu helfen und unser Material direkt bei DHL abgeholt. Danach sind wir zu dem ersten Testsystem gefahren, es befand sich auf der Rückseite einer Shopping Mall. Wir konnten aber leider nicht lange arbeiten, da der Schlüsselverantwortliche um 17:00 Feierabend machte. Da hörte ich von meinen Kollegen nur „TIA – This is Africa“. Also sind wir an den Strand, haben ein Bier getrunken, ein paar Fotos vom Tafelberg gemacht und sind wieder zurück zum Hotel. Den Tag haben wir dann mit einem Essen an der Waterfront, ein restauriertes Werft- und Hafenviertel, abgeschlossen. Ich bin mir nicht sicher ob wir uns das Essen und den Wein heute wirklich verdient hatten, aber es schmeckte trotzdem.

Blick auf den Tafelberg (von Milnerton Beach)

Die Arbeit

Am Dienstag, unserem zweiten Tag waren wir dann wesentlich produktiver. Gegen Mittag konnten wir das erste Testsystem abschliessen, allerdings war es auch das einfachste von den drei Systemen. Danach starteten wir mit dem zweiten System, welches auf einem Hochhaus plaziert war. D.h. wir arbeiteten grösstenteils in einem Container auf dem Dach. Es ging alles sehr lange und wir haben unseren Arbeitsplatz erst gegen 22:30 verlassen können, aber so kamen wir wenigstens in den Genuss eines Sonnenunterganges. Heute muss die Trainingseinheit leider ausfallen.

Sonnenuntergang vom Dach (bei der Arbeit)

Am Folgetag startete ich mit einem ruhigen einstündigen Dauerlauf. Erst wieder an der Promenade und dann versuchte ich hoch zum Signal Hill zu gelangen, aber das klappte leider nicht und ich wollte auch noch etwas vom Frühstücksbuffet mitbekommen. Es ist immer ein sehr gutes Gefühl wenn man vor der Arbeit das Training schon hinter sich hat. Danach ging es zum dritten System, welches sich in Khayelitsha befindet. Wir arbeiteten auch hier in einem Container der mit einem hohen Zaun gesichert war. Auf dem Container befand sich ein hoher Telefonmast mit Antennen.

Khayelitsha ist eines der größten Townships Südafrikas. Es liegt am Stadtrand von Kapstadt in den Cape Flats. Khayelitsha ist das isiXhosa-Wort für Neue Heimat. 2011 lebten etwa 400.000 Menschen in Khayelitsha, davon rund 98,5 Prozent Schwarze. Die Hütten innerhalb der Townships bestehen grösstenteils aus Blech, Holz und Pappe. Die Wartelisten für neuerrichtete Häuser aus Stein sind sehr lang.

Signal Hill / Lion‘s Head

Am Donnerstag besuchten wir dann nochmals alle drei Systeme um Messwerte auszulesen und um zu schauen ob alles so funktioniert wie der Kunde es wünscht. Am Nachmittag verliessen uns dann die südafrikanischen Kollegen aus Johannesburg und ich nutzte die Gunst der Stunde für den ersten Lauf abseits der Strasse. Mit einer primitiven Touristenkarte ausgerüstet ging es los. Ziel war Signal Hill. Dafür musste ich etwa 30 Minuten durch die Stadt um dann mehr durch Zufall die Zufahrtsstrasse zu Noon Gun zu finden. Hier wird jeden Tag um 12:00 aus einer alten Kanone ein Schuss abgegeben. Leider war das Militärgelände schon geschlossen und ich musste die Strasse wieder etwas zurück um über einen kleinen steilen Pfad hoch zum Signal Hill zu gelangen. Von hier hat man eine herrliche Aussicht über Kapstadt, Robben Island, dem neuen Fussballstadion und natürlich dem Wahrzeichen der Stadt, dem Tafelberg mit den 12 Aposteln.
Von hier ging es dann leicht abfallend über einen Single Trail Richtung Lion‘s Head. Es ist ein wunderschöner Pfad und man hat immer den steilen Kegel vor Augen. Plötzlich, nichts ahnend, treffe ich hier Florian Neuschwander und Lars Schneider. Sie waren gerade auf der Suche nach dem idealen Ort für eine Fotosession für Werbeaufnahmen. Wie klein die Welt doch ist.

Weg vom Signal Hill zum Lion’s Head

Leider habe ich es zeitlich nicht ganz geschafft den Lion‘s Head zu erklimmen, da ich noch im Hellen heim laufen wollte und um 19:00 im Hotel verabredet war. Schade, aber es wird sich hoffentlich noch einmal die Gelegenheit ergeben. Der Heimweg ging dann doch schneller als gedacht, die Zufahrtstrasse zum Signal Hill runter zum Kloof Nek, ab hier an der M62 runter in die Stadt, etwa 6 km Asphalt, Ampeln und Linksverkehr. Alles in allem hatte ich nachher 18 km auf dem Zähler.
Zum Abschluss des Tages gab es mit den Kollegen aus Deutschland Bier und Fisch an der Waterfront. So lässt es sich leben.

Table Mountain – Camps Bay

Heute ist also der erste freie Tag. Nach einem ruhigen Frühstück mussten noch kurz ein paar Emails beantwortet werden und dann ging es zur Busstation, da ich nicht wieder durch die Stadt laufen wollte. Ich entschied mich für die rote Linie „City Sightseeing Cape Town“, einem hop on, hop off Bus wie man sie in jeder grösseren Stadt mittlerweile antrifft. Ich dachte mir so kann ich auch gleich noch ein paar interessante Information mitnehmen. Die Fahrt bis zur Talstation des Tafelberges ging etwa 45 Minuten und war sehr kurzweilig. Hier wurde ich allerdings sehr enttäuscht was das Kartenmaterial anging und musste mich mit einer Panoramakarte nur vom östlichen Teil begnügen. Natürlich genau der Teil wo sich auch die ganzen Touristen rumtreiben.

Tafelberg: Schon seit die ersten Seefahrer um das Kap der Guten Hoffnung gesegelt waren, galt der 1.086 m hohe Tafelberg als ein Wahrzeichen, welches bei gutem Wetter über 100 km auszumachen war. Er wurde 2011 zu einem der sieben natürlichen Naturwunder gewählt. Die Bergkette ist 52 km lang und bis zu 16 km breit und verläuft bis zum Kap der Guten Hoffnung.

Von der Tafelberg Talstation führt direkt ein steiler Wanderweg auf den Contour Path. Nach etwa 2 flachen Kilometern erreicht man den Anstieg Platteklip Gorge zum Gipfel. Die Gesamtzeit ist an der Talstation mit drei Stunden angeben. Meine Garmin zeigte oben etwas mehr als 4 Kilometer und knapp unter einer Stunde an.
Oben ging es dann über einen wunderschönen Weg zum höchsten Punkt, Maclear’s Beacon (1086 m). Dieser Wanderweg befindet sich direkt an der Kante des Tafelberges, die praktisch senkrecht auf 500 m abfällt.

Autor mit Kapstadt und Talstation im Hintergrund

Blick zum Devil’s Peak

Wunderschöne weite schmale Wege

Man hat während der ganzen Zeit einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt, den Atlantik, Lion‘s Head und sogar auf die Hottentots-Holland Mountains. Nachdem der höchste Punkt erreicht war ging es kurz zum Wasser auffüllen zur Bergstation. Nach einer kurzen Pause lief ich dann über enge Pfade, Holzplatten und Leitern in einem ständigen Auf und Ab bis zum Kastellspoort Path. Hier zeigt sich die Welt wirklich von der schönsten Seite. Ab hier wurden dann etwa 600 Höhenmeter auf 2 Kilometer zerstört. Dieser technische und steile Downhill endet dann direkt auf einem Forstweg, der wiederrum nach einiger Zeit in Camps Bay auf eine Asphaltstrasse übergeht. Wenn man diese Strasse dann abwärts folgt landet man direkt an einem sehr sauberen weissen Sandstrand, wo die Füsse im Meer abgekühlt werden können. Die Bushaltestelle des Touristenbusses befindet sich auch direkt an der Promenade. Die Fahrt zurück nach Kapstadt dauert nochmals 30 Minuten und man erfährt etwas über die sehr hohen Immobilienpreise am Meer.

Camps Bay

Ankunf am Strand (Camps Bay)

Sonnenuntergang am Strand

Die Gesamtstrecke dieser Tour beläuft sich auf etwa 18 km und man macht gut 1300 Höhenmeter. Ich benötigte dafür 2 ¾ Stunden, die allerdings sehr schnell vorbei gingen da die Strecke sehr abwechslungsreich ist und atemberaubende Ausblicke bietet.

Hout Bay – Table Mountain – Waterfront

Am Samstag, meinem letzten ganzen Tag, entschied ich mich nochmals für den Touristenbus um die Stadt zu verlassen, allerdings diesmal für die blaue Route welche erst zum Botanischen Garten Kirstenbosch und danach in eines der ältesten Weinanbaugebiete Südafrikas (Constantia) fuhr. Hier bestand auch die Möglichkeit einer Degustation. Fast schade, daß ich noch laufen wollte.

Etwa 20 Minuten später habe ich mich vom Busfahrer beim Suikerbossie Restaurant rauswerfen lassen. Hier ging es durch einen Pinienwald dem Back Table hoch. Die ersten 3 Kilometer ging es stetig hoch. Danach ging es etwa 5 Kilometer immer Auf und Ab. Wie bereits an den vorherigen Tagen befand man sich in einem wahren Trail- und Wanderparadies. Da man durch kniehohes Gestrüpp rennen musste und dieses sich nach einer Zeit wie leichte Peitschenhiebe aufs Schienenbein anfühlte, wäre eine lange Hose allerdings von Vorteil gewesen.

Hilfsmittel 1 (Sprossen)

Mit Blick zum Ziel

An, über und durch Felsen geht es..

Nach weiteren 4 Kilometern Anstieg erreichte ich wieder die 1000 m Höhenlinie und kurz danach wieder das Bergrestaurant. Hier wurden wieder die Wasservorräte aufgefüllt bevor ich dann über den Trail India-Venster abgestiegen bin. Dies ist ein sehr steiler Abstieg und es wird durch grosse Schilder ausdrücklich hingewiesen, daß man ihn nicht alleine gehen soll. Pech, da musste ich wohl durch.

Unten an der Talstation angekommen stellte ich fest, daß ich erst 15 Kilometer zurückgelegt hatte und entschied mich dann auf dem mir bekannten Weg zurück zum Hotel zu laufen. Insgesamt hatte ich dann 21 Kilometer und wieder einen wahnsinnig schönen Tag in und um Kapstadt. Abgeschlossen wurde der letzte Abend in Südafrika dann mit einer guten Flasche Wein aus Constantia.

Blick auf Lion’s Head

Abschied

Am Sonntag wollte ich mich eigentlich mit Florian zum Laufen treffen, aber es war dann doch alles zu knapp vor meinem Rückflug, da ich gegen 11:30 das Hotel verlassen musste. Also habe ich mich entschieden noch ein Läufchen vorm Frühstück zu machen. Ich bin wie am ersten Tag losgelaufen und plötzlich stellte ich fest, daß ich inmitten eines Wettkampfes war. Wenige Zeit später überholte mich dann auch die erste Frau, dies beflügelte mich natürlich und ich hing mich dann an die etwa 15. Frau, die auf mich auflief. Später im Hotel habe ich erfahren, daß es sich bei der Laufveranstaltung um die Spar Women’s Challenge handelte. Bei diesem 10 km Lauf nehmen jedes Jahr etwa 24000 Frauen teil. Rutendo Nyahora siegte mit einer Zeit von 33:12 Minuten. Mir verhalf die Veranstaltung zu einem flotten Trainingslauf.
Nach dem Frühstück wurden noch ein paar Geschenke gekauft und dann ging es mit dem Taxi zum Flughafen und von dort via Johannesburg nach Zürich. Leider musste ich dann die komfortablen 25-28°C aus Kapstadt gegen Regenwetter in Zürich tauschen.

Alles auf engsten Raum: Strand und Berg, was will man mehr?

Kapstadt ist eine sehr vielseitige Stadt und bietet auf der einen Seite Meer mit Sandstrand, Kultur und gutes Essen und auf der anderen Seite kann man stundenlang auf den einsamen Trails laufen. Mit etwas Glück trifft man vielleicht sogar Ryan Sandes. Für mich steht fest, daß ich nicht das letzte Mal in Kapstadt war. Es gibt noch sehr viel zu entdecken, z.B. Devil‘s Peak, Pipe Trail und vielleicht sogar eine Mehrtagestour vom Kap durch den Table Mountain Nationalpark bis Kapstadt. Idealerweise aber das nächste Mal mit meinen drei Frauen.
Und noch ein Tip: Man sollte sich im Vorfeld schon um gutes Kartenmaterial bemühen und ausreichend zu Trinken bei sich haben. Zudem kann das Wetter sehr schnell ändern, daß es ratsam ist eine lange Hose und Windjacke dabei zu haben.
Auf meinem Strava Profil findet man die genauen Routen die ich in Südafrika zurück gelegt habe. Einige weitere Wanderwege findet man unter www.kapstadt.de/reisefuehrer/stadtgebiet/tafelberg/wanderrouten.

Carsten

Von

Carsten ist seit 20 Jahren aktiver Läufer und mittlerweile fast nur noch auf Trails zu finden. Im Wettkampf läuft er bevorzugt die langen Distanzen. Die Berge hat er praktisch vor der Haustür: Carsten lebt mit seiner Familie in Zürich. Folge seinen Fußspuren auf Strava.
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