Kilian Jornet: Auf dem Weg zum Everest

Hendrik

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Fotos Summits of my Life (Titelbild)

Athleten

Es soll der Höhepunkt seines 'Summits of my life'-Projektes werden: In diesem Sommer will Kilian Jornet einen neuen Speedrekord am Everest aufstellen - ohne Sauerstoff, Fixseile oder Hochlager. Kurz vor dem Abflug nach Tibet spricht Kilian erstmals über die Details der Expedition, die Risiken seines radikalen Alpin-Stils und warum der Rekord nicht das eigentliche Ziel ist.

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Diese Herausforderung dürfte die größte seines Lebens werden: Nachdem Kilian in den vergangen vier Jahren neue Rekorde am Mont Blanc, Matterhorn, Denali und Aconcagua aufgestellt hat, führt ihn sein „Summits of my Life„-Projekt jetzt an den Mount Everest, mit 8.848 m der höchste Berg der Erde. Begleitet wird er von Jordi Tosas, einem Everest-erfahrenen Bergsteiger, sowie Kameramann Sébastien Montaz-Rosset und Bergführer Vivian Bruchez.

„Es ist ein langer Lernprozess, von der Frage, wie mein Körper auf die extreme Höhe reagiert, bis hin zur Frage, wie wir den Alpin-Stil am Everest einsetzen. Ich habe mich seit Monaten auf diese Herausforderung vorbereitet und freue mich, dass es jetzt losgeht. Das Summits of my Life Projekt hat mich immer an meine Grenzen gebracht und diesmal wird es nicht anders sein,“ sagt Kilian Jornet.

Kilian plant, den Everest im Alpin-Stil begehen, so puristisch und minimalistisch wie möglich, d.h. ohne Flaschensauerstoff und Fixseile. Anders als beim klassischen Alpin-Stil will er jedoch non-stop und ohne Hochlager zum Gipfel. Auch für die Akklimatisierung wählt Kilian einen ungewöhnlichen Weg: Die letzten Wochen vor dem Abflug haben Kilian und sein Team in der Höhe in den Alpen verbracht.

Tosas erklärt das so: „Es ist eine neue Herangehensweise an die Höhenanpassung. Bevor wir ins Himalaya aufbrechen, werden wir bereits teilweise akklimatisiert sein. Das bedeutet, dass wir vor Ort nicht mehr so lange warten müssen, bis wir loslegen können.“ Kilian ergänzt: „Auf diese Weise können wir den Aufstieg mit mehr Energiereserven und besseren Erfolgsaussichten beginnen. Sich tagelang am Berg zu akklimatisieren kann einen schwächen.“

Kilian will den Gipfel vom Rongpu Kloster aus über die Nordwand und ohne Zwischenstopps in Hochlagern erreichen (Foto: Summity of my life / Google Earth)

Jornet hat sich für eine wenig begangene Route auf der tibetischen Nordseite des Everest entschieden. Wie bei seinen bisherigen Speedrekorden wird er vom letzten bewohnten Punkt unterhalb des Gipfels starten – in diesem Fall das Rongpu Kloster auf etwa 5.000 m ü.NN. Zunächst geht es rund 30 Kilometer durch das Rongpu-Tal und über den Gletscher hinauf zum Advanced Base Camp (6.500 m ü.NN). Von dort will Kilian je nach Bedingungen durch das Norton– oder Hornbein-Couloir zum Gipfel auf 8.848 m. Für ihn wird es das erste mal sein, dass er oberhalb von 8.000 Metern klettert.

Dabei verzichtet Jornet bewusst auf Sauerstoff und Fixseile und setzt auf ultraleichtes Equipment. „Dadurch kann ich mich schneller bewegen,“ erklärt er. „Mit leichter Ausrüstung kommen wir schneller voran, aber wir wissen natürlich, dass damit auch das Risiko steigt. Wir sind uns dieses Risikos bewusst und gehen es ein, weil es letztlich genau die Art ist, wie wir dem Berg entgegentreten möchten.“

Eine Prognose, wie lange sie für den Aufstieg benötigen werden, wollen Kilian und sein Team nicht abgeben – schließlich sind sie wohl die ersten, die den Everest auf diese Weise besteigen.

„Wir glauben, dass wir am Tag unseres Rekordversuchs allein sein werden. Zu dieser Jahreszeit ist dort niemand. Dank des Monsuns werden die Fixseile vom Schnee bedeckt sein,“ sagt Tosas. Nach dem Abflug am 7. August planen die vier sechs bis acht Wochen vor Ort zu sein, um den besten Moment für den Aufstieg abzuwarten.

Dennoch ist Kilian sich auch der Möglichkeit des Scheiterns bewusst, und meint: „Den Gipfel zu erreichen hängt von vielen Faktoren ab. Es gibt externe Faktoren wie das Wetter und die Bedingungen am Berg, aber es hängt auch von uns ab, davon, ob wir ausreichend vorbereitet sind. Was auch immer passiert, falls wir es nicht schaffen, wäre das für mich kein Misserfolg. Im Gegenteil, es wäre eine Lehre. Was auch immer passiert, wir werden auf jeden Fall etwas lernen. Am Ende hat der Berg das Sagen und wir müssen demütig sein. Der Berg wird immer da sein, auf uns warten, auf eine neue Chance.“

Rongpu-Tal und Everest-Nordwand vom Basecamp aus gesehen (Quelle: Wikimedia Commons)

Hendrik

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Hendrik ist leidenschaftlicher Trailrunner und Gründer des TrailBlog. Neben kurzen, steilen Rennen reizen ihn lange Touren auf eigene Faust in den Bergen. Hendrik ist ASICS Frontrunner und wird unterstützt von Garmin, SZIOLS und ultraSPORTS. Folge ihm auch auf Strava, Twitter und Instagram.
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2 Kommentare

  1. Rafael Berenguera

    Mein ganzes leben habe ich viele male“extreme risiken“gesucht u.
    gefunden,es ist fast immer gutgegangen,ob beim fliegen (selbst)speziele auto- rennen,apnoe-tauchen,motorrad-langstrecken von über 1.200 tages km.(mit bereits 70 jahren)etc.etc.die liste u.details ist sehr lang,die triebfeder??das bewältigen von hindernissen u.den
    drang entscheidungen treffen zu müßen!!um mich hatte ich keine
    angst,aber um die anderen;so wie
    jetz um kilian jornet, j.tosa & team.
    denn dieses vorhaben hat’s in sich,
    nicht um sonst hat es bis heute noch keine gemacht!!wünsche alle beteilligte hiermit alles erdenklich
    gute zu diesem projekt!!

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    • Michael

      Naja, keiner…es gab schon mehrere Solobegehungen (Messner war der erste, Kammerlander, Stangl). Die sind vielleicht weiter oben gestartet. Aber das wird nicht der Knackpunkt sein. Die Frage ist ob Kilian Jornet genug Erfahrung mit sich bringt für so ein Projekt. Die weiter oben genannten waren alle schon erfahrene Höhenbergsteiger. Man darf hoffen, dass alles gut geht.

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