ÖTILLÖ SwimRun WM 2016: Rekordjagd durch die Ostsee

Mats Skott, einer der beiden Renndirektoren, wirkt angespannt. Mit Hilfe seines Funkgerätes ist er in direktem Kontakt mit den örtlichen Lotsen. Der Start wird erst freigegeben wenn keine Schiffe in Sicht sind die die erste Schwimmstecke blockieren könnten. In regelmäßigen Abständen begutachtet er seine Uhr. Noch 18 Minuten bis 6 Uhr.

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Vor Mats warten 238 aufgeregte Athleten in Neoprenanzügen, Schwimmbrillen, Badekappen, Hand-Paddles und Laufschuhen. Ein ausgefallenes Bild. Abermals redet Mats in sein Funkgerät und bezieht von der örtlichen Schifffahrtsbehörde weitere Auskünfte – gegenwärtig ist kein Boot in der Anfahrt. „Noch 5 Minuten bis zum Start!“ brüllt er wiederholt in die fieberhafte Ansammlung hochmotivierter Sportler. Die Gespräche zwischen den Starten werden gedämpfter. Wenig später ist der Schuss der Kanone nicht zu überhören. 119 Zweier-Teams stürmen los in Richtung Ostsee. Die Weltmeisterschaften im SwimRun wurden soeben eröffnet.

Wie so oft begann alles mit einer alkoholgetränkte Wette. Ist es denkbar an nur einem Tag vom Utö Vardhus Hotel im Süden der Stockholmer Schären bis in den Norden zum Sandhamn Seglarhotell zu laufen und zu schwimmen? 2002 machten sich erstmals zwei Zweier-Teams auf den langen und strapaziösen Weg. Als Michael Lemmel und Mats Skott im Jahre 2006 den Streckenverlauf umkehrten und den ersten Wettkampf „Von Insel zu Insel“ (schwedisch: Ö till Ö) veranstalteten konnten sie nicht wissen was sich 11 Jahre später zwischen Sandhamn und Utö abspielen würde. Mittlerweile ist SwimRun weit über die Grenzen Skandinaviens ein Begriff. Es gilt abwechselnd zu schwimmen und zu laufen. Die Ausrüstung wird dabei nicht gewechselt. Höchste Herausforderung an Mensch und Material. Aus Sicherheitsgründen werden SwimRun Wettbewerbe in Zweier-Teams bestritten. Eine Dynamik die im Ausdauersport seinesgleichen sucht.

Nach dem ersten Laufabschnitt ist das Feld noch dicht zusammen. Es folgen 1,7 Kilometer schwimmen auf denen sich das Feld schnell sortiert und in die Länge zieht. (Foto: JakobEdholm.com)

Schwimm- sowie Laufabschnitte sind zum Teil nicht länger als einige 100 Meter. Ein fließender Wechsel zwischen den Elementen spart wichtige Zeit. (Foto: JakobEdholm.com)

SwimRun hat sich längst als Sportart etabliert und bildet ein Sammelbecken für eine Vielzahl von Ausdauersportlern. ÖtillÖ dient der Sportart als Weltmeisterschaft und die besten Teams treten an 10 Kilometer in der frostigen Ostsee zu schwimmen und 65 Kilometer zu laufen. Das Ganze über 26 Inseln verteilt bei Laufstrecken zwischen 100 Metern und fast 20 Kilometern. Jedes Team das die Ziellinie in Utö überschreitet hat 50 Wechsel zwischen laufen und schwimmen hinter sich gebracht.

Große Teile des Kurses führen abseits befestigter Wege oder Trails. Die schroffen, schwedischen Inseln verlangen den Teilnehmer alles ab. (Foto: JakobEdholm.com)

Rutschige Steine erschweren das ein und aussteigen in die Ostsee. Auch hier ist perfektes Teamwork essentiell. (Foto: JakobEdholm.com)

Der Kurs schlängelt sich durch abgelegene Regionen der Schäreninseln. Viele Zuschauer finden sich deshalb nicht am Kurs ein. Nichtsdestotrotz haben die wenigen Fans an der Strecke ihren Spaß. Diese Frau veranstaltet jedes Jahr eine Party auf Ihrem Grundstück. Gemeinsam mit Ihren Freunden besingt sie alle Teilnehmer enthusiastisch. Von nordischer Zurückhaltung ist hier kaum etwas zu spüren. (Foto: JakobEdholm.com)

Lange galt die 8–Stunden Marke als Schallmauer die keines der Teams bei den bisherigen Austragungen des Rennens durchdringen konnte. Das SwimRun nicht nur an Teilnehmer-Masse sondern auch an sportlicher Klasse gewinnt, unterstrich die überragende Leistung der beiden Schweden Daniel Hansson und Lelle Moberg. Mit 7:59:04 waren sie an diesem Montag eine Klasse für sich und konnten in bestechender Form den Sieg vor Vorjahressieger Paul Krochak (Kanada) und Oscar Olsson (Schweden) einfahren. Für ein wahres Ausrufezeichen sorgte die Schwedin Eva Nyström zusammen mit Ihrem australischen Partner Adriel Young. In der Mixed Kategorie sicherten sich die beiden mit einer Zeit von 8:49:58 Stunden nicht nur Platz 8 in der Gesamtwertung sondern auch den neuen Streckenrekord in Ihrer Kategorie. Erst im Mai diesen Jahres brachte Nyström, Duathlon-Weltmeisterin auf der Langdistanz in den Jahren 2012 sowie 2013, Ihre Tochter Julia zur Welt. Bereits einen Monat nach der Entbindung begann die siebenfache schwedische Duathlon- und Triathlon-Meisterin wieder mit dem Lauftraining um wenig später den härtesten SwimRun der Welt in beachtenswerter Manier zu gewinnen.

Kaum ein Wettkampf liefert solche spektakulären Bilder. Das Zusammenspiel von Licht und Wasser kreiert magische Momente. (Foto: JakobEdholm.com)

Fokussiert beendet Faris Al-Sultan eine der vielen Schwimmstrecken. (Foto: JakobEdholm.com)

Der Ironman Hawaii Champion von 2005, Faris Al-Sultan überraschte zusammen mit seinem schwedischen Partner Peter Oom mit einem 15ten Platz (9:18:01 Stunden) und zeigte sich vom rauen Wettkampf durch die kalte Ostsee tief beeindruckt. 42 Sekunden nach dem mehrfachen Deutscher Meister auf der Triathlon-Langdistanz überschritt das Hamburger Duo André Hook und Wolfgang Grohé mit einer Zielzeit von 9:18:42 Stunden als erstes deutsch/deutsches Duo die Ziellinie vor dem malerischen Utö Vardhus.

Mit 9:30:16 Stunden landete der Darmstädter Felix Haupt und sein französischer Partner Thomas Pignede auf einem starken 20ten Platz. Die beiden Odenwälder Frank Mertins und Sebastian Bleitgen überraschten nicht nur durch das ausziehen Ihrer Schuhe beim schwimmen sondern auch mit Platz 36 in 10:05:19 Stunden. Nach einer offensiven ersten Rennhälfte konnte sich Team Teilweise Locker mit Malte Staehr und dem norwegischen Wahl-Stuttgarter Knut Baadshaug über Platz 38 in 10:14:42 Stunden freuen. Mit einer Zeit von 10:18:31 folgte The German Sparkle Party mit den beiden Heilbronnern Fabian Eberhard und Markus Rössel auf Platz 40. Seite an Seite mit Bruno Bonnechere aus Belgien vervollständigte der deutsche Celtman Extreme Triathlon Gewinner von 2015, Dirk Zangen mit einer Zeit von 10:22:58 auf Platz 43 einen gelungenen Tag für die deutschen Athleten.

Männer

1. Lelle Moberg (Schweden) & Daniel Hansson (Schweden) – Swedish Armed Forces 7:59:04

2. Paul Krochak (Kanada) & Oscar Olsson (Schweden) – Team Head Swimming 8:07:57

3. Fredrik Axegård (Schweden) & Alex Flores (Schweden) – Team Runfast 77 8:16:49

Mixed

1. Eva Nyström (Schweden) & Adriel Young (Australien) – Thule Adventure Team 8:49:58

2. Staffan Björklund (Schweden) & Marika Wagner (Schweden) – Apollo Sports/Head Swimming 9:09:52

3. Diane Sadik (Schweden) & Rickard Berglund (Schweden) – Swimrunshop.com 9:20:14

Frauen

1. Kristin Larsson (Schweden) & Annika Ericsson (Schweden) – Addnature 9:32:03

2. Ulrika Eriksson (Schweden) & Helena Sivertsson (Schweden) – Team Icebug 9:44:41

3. Bibben Nordblom (Schweden) & Maja Tesch (Schweden) – Team Head Swimming 9:48:01

Markus Rössel

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Reisen und Sport sind Markus große Leidenschaft. Jederzeit, ob auf oder neben befestigten Wegen - Markus erforscht die Herausforderung in allen Facetten des Ausdauersports auf der ganzen Welt. Eine Chronik seines Tuns findet man auf seinem Blog. Folge ihm auch auf Strava und Instagram. Gemeinsam mit Fabian Eberhard bestreitet er Team-Wettkämpfe als The German Sparkle Party.
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