Südtirol Drei Zinnen Alpine Run 2016

Hendrik

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Fotos Hendrik Auf'mkolk, Harald Wisthaler

Rennen

Ein vorzeitiger Wintereinbruch drohte die 19. Auflage des Drei Zinnen Alpine Run zu kippen. Doch von ein wenig Neuschnee lassen sich in Südtirol weder Veranstalter noch Teilnehmer beeindrucken.

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Es ist Samstag früh und der Blick aus dem Panoramafenster des Hotelzimmers verheißt nichts Gutes: Nach dem Temperatursturz am Vortag hat der Regen die höheren Lagen über Nacht in eine dünne Schneedecke gehüllt. Immer noch regnet es, und die sonst so prominenten Gipfel der Dolomiten verstecken sich hinter dunklen Wolken. Ob das Rennen bei diesen Bedingungen überhaupt stattfinden kann? Immerhin liegt das Ziel an der Dreizinnenhütte 2.400 Meter über dem Meer. Eine Seilbahn gibt es nicht, die Kleiderbeutel müssen mit dem Hubschrauber hinauf gebracht werden und die Teilnehmer nach dem Rennen zu Fuß wieder ins Tal absteigen. Noch ist unklar, ob der Hubschrauber angesichts der Sichtverhältnisse am Boden bleiben muss. Ohne Wechselkleidung kein Dreizinnenlauf, soviel ist sicher.

Ein Bergretter wacht über die Teilnehmer beim Drei Zinnen Alpine Run 2016

Doch dann kommt, via SMS und Facebook, die frohe Botschaft: Der Start wird um eine Stunde verschoben, aber das Rennen findet statt. Aus Sicherheitsgründen entscheiden sich die Veranstalter für eine leicht verkürzte Alternativstrecke (12 km, 1.300 Hm): Von der Talschlusshütte geht es diesmal auf direktem Weg hinauf zur Dreizinnenhütte. Der technisch anspruchsvolle Abschnitt über die Zsigmondy- und Büllelejochhütte (2.528 m ü.NN) muss leider entfallen. Schade, aber angesichts der Witterungsverhältnisse absolut nachvollziehbar.

Am Start in Sexten gibt der Moderator kurze Zeit später sein Bestes, um den fröstelnden Läufern einzuheizen. „Hände hoch, wer’s warm hat!“, fordert er, doch die meisten Arme bleiben unten. Immerhin: Der Regen hat nachgelassen und die Wolken wirken nicht mehr ganz so dunkel und bedrohlich. In der ersten Startreihe begrüßen sich die sommerlich gekleideten Favoriten per Handschlag, während weiter hinten im Feld die Textildichte immer mehr zunimmt. Mit dem Startschuss spielt das alles keine Rolle mehr.

Nach einem kurzen Schaulaufen durchs Dorf geht es die ersten sieben Kilometer auf breiten Forstwegen beinahe flach durch das Fischleintal. Petro Mamu aus Eritrea setzt sich schon hier vom Rest des Feldes ab und läuft danach ein einsames Rennen. Der frühere Berglaufweltmeister hatte sich erst kurzfristig für einen Start beim Dreizinnenlauf entschieden. Hinter der Talschlusshütte führt die Ausweichstrecke auf einem schmalen Pfad steil bergauf – über 1.000 Höhenmeter sind auf auf den letzten fünf Kilometern zu überwinden. Mit jeder Kehre scheint die Landschaft noch ein Stück dramatischer und die Luft noch ein wenig dünner zu werden.

Tolle Stimmung am Fuße des Paternkofel

Ich kämpfe mit meinen schweren Beinen und der stechend kalten Luft. „49, 50, 51“, zählt ein Streckenposten laut vor sich hin. Nicht mein Tag heute, soviel ist sicher. Warum bleibst du nicht einfach stehen, frage ich mich kurz. Doch dann gibt der Nebel den Blick frei auf Einserkofel und Paternkofel, die sich wie Nadeln aus Fels in die Wolkendecke bohren. In der Ferne ist die Dreizinnenhütte zu erahnen. Auch akustisch kommt das Ziel immer näher. Erstaunlich, wie viele Zuschauer trotz des miesen Wetters hier oben stehen. Die Strecke wird im letzten Abschnitt etwas flacher und ich reiße mich noch einmal zusammen. Nach 1:22.07 bleibt die Uhr für mich stehen, aber das ist mir inzwischen egal. Was für Berge, was für eine Atmosphäre!

Der Sieger ist derweil schon seit exakt 20 Minuten im Ziel. Drei Minuten hinter Mamu läuft der Berglaufspezialist Hannes Perkmann als Zweiter über die Ziellinie. Der Österreicher David Schneider komplettiert in 1:05:40 das Podium. Vorjahressieger Andrzej Dlugosz aus Polen muss sich diesmal mit Rang 9 begnügen (1:09.20).

Hannes Perkmann rennt auf Rang 2 (Foto: Harald Wisthaler)

Ähnlich dominant wie Mamu zeigte sich Sara Bottarelli bei den Damen. Die Italienerin ließ ihrer Konkurrenz in 1:16.24 keine Chance. Nach einem dritten Platz (2014) und einem zweiten Rang (2013) stand Bottarelli diesmal also endlich ganz oben auf dem Treppchen. Neben ihr reihte sich Lokalmatadorin Elena Casaro aus Toblach ein (1:20.06). Victoria Kreuzer, Siegerin von 2014, komplettierte als Dritte nach 1:23.54 Stunden das Podium der Damen. „Ich war heuer im Sommer oft verletzt und konnte bis vor zwei Wochen eigentlich nie richtig trainieren. Im Aufstieg ist es sehr gut gegangen, im Flachen konnte ich aber kein Tempo machen,“ erklärte die Walliserin im Ziel.

Sara Bottarelli feiert ihren Sieg beim Drei Zinnen Alpine Run 2016 (Foto: Harald Wisthaler)

Was bleibt? Eine Veranstaltung, die trotz schwieriger äußerer Bedingungen perfekt organisiert war. Ein Ort, der diesen Sport lebt. Und ein Berg, dessen Schönheit selbst bei dichtem Nebel alles überstrahlt. Eindrücke, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben. Mich jedenfalls zieht es auch im nächsten Jahr wieder hierher. Zum 20-jährigen Jubiläum dann hoffentlich bei besserem Wetter, auf der Originalstrecke und vor allem: In besserer Form.

Herren
1. Petro Mamu (Fly-Stubai.at) 1:02.06
2. Hannes Perkmann (Sportler) 1:05.07
3. David Schneider (KTV Wil LA) 1:05.40
Damen
1. Sara Bottarelli (Freezone) 1:16.24
2. Elena Casaro (AC 2000 Toblach) 1:20.06
3. Victoria Kreuzer 1:23.54

Alle Ergebnisse.

Hendrik

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Hendrik ist leidenschaftlicher Trailrunner und Gründer des TrailBlog. Neben kurzen, steilen Rennen reizen ihn lange Touren auf eigene Faust in den Bergen. Hendrik ist ASICS Frontrunner und wird unterstützt von Garmin, SZIOLS und ultraSPORTS. Folge ihm auch auf Strava, Twitter und Instagram.
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2 Kommentare

  1. Michael

    Sorry, aber das geht nicht: „…hat der Regen die höheren Lagen über Nacht in eine dünne Schneedecke gehüllt.“

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