Trail du Petit Ballon – Saisonauftakt in Frankreich

Carsten

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Fotos Carsten Drilling / Nicolas Fried

Rennen

Der Trail du Petit Ballon eignet sich hervorragend als Saisonauftakt und zum persönlichen Formtest. Der Frühlingsklassiker in den Vogesen zieht jedes Jahr auch viele Athleten aus Deutschland an. Carsten berichtet für uns von der 13. Auflage - seinem dritten "Kleinen Belchen".

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Organisation und Strecke(n)

Der Petit Ballon ist ein Berg in den Vogesen und mit 1.272 m die höchste Erhebung auf der 52 km langen Strecke. Auf deutsch heißt dieser Berg „Kahler Wasen“ oder auch „Kleiner Belchen“. „Belchen“ bezeichnet alemannisch unter anderem einen flach gewölbten kahlen Berg. Rouffach liegt etwa 12 km südlich von Colmar in Departement Haut-Rhin und ist Start und Zielort dieser Veranstaltung. Es ist ein reizendes kleines Städtchen.

Es werden drei verschiedene Strecken angeboten: Die Ultradistanz über 52 km mit 2300 Höhenmetern, eine Mitteldistanz von 27 km (+900m) und ein Minitrail über 9 km (+250m).

50,7 km
Distanz
2.323 m
Anstieg
2.323 m
Abstieg
GPS-Download

In der Kategorie Preis-/Leistungsverhältnis dürfte der Trail du Petit Ballon vermutlich einen Spitzenplatz belegen. Mir ist zumindest kein Lauf bekannt der dieser Veranstaltung hier das Wasser reichen kann. Als Frühbucher bezahlt man für die lange Strecke 30 Euro und bekommt dafür nicht nur eine wunderschöne Strecke geboten, sondern auch noch eine Flasche Elsässer Crémant, einen kleinen Rucksack (diente in meinem Fall als Mitbringsel für meine Tochter) und eine Finisher-Funktionsweste. Auch die Pastaparty soll sich lohnen, allerdings kann ich diese Information nur weitergeben. Ein kleiner Nachteil ist, dass man ohne aktuelles sportärztliches Attest nicht starten darf. Andere Länder, andere Regeln. Die Pflichtausrüstung besteht aus einem Liter Flüssigkeit, einer Rettungsdecke, einer Pfeife, einem „Buff“ oder Mütze und einer Regenjacke. Laut Veranstalter werden Kontrollen durchgeführt.

Einrollen

Der Startschuss fällt für die Ultraläufer um Punkt 9:00. Bereits nach kurzer Zeit verlassen wir Rouffach und laufen im ständigen Auf- und Ab auf Schotterwegen durch die Weinberge. Ein realistische Einordnung am Start in von Vorteil da gerade zu Beginn das Pulk sehr dicht ist und Überholmanöver sehr nervenaufreibend werden. Nach Verlassen der Weinberge geht es in den Wald. Kurze Zeit später wird der erste Verpflegungsposten bei km 10 in Schauenberg erreicht. Der nächste Streckenabschnitt bis zum zweiten Verpflegungsposten in Osenbach verläuft sehr abwechslungsreich durch Wald, mal auf Forstweg, mal auf Trails, immer etwas wellig. In Osenbach finde ich, wie schon in den Jahren zuvor, ein Festmahl aufgebaut, alles was das Läuferherz begehrt.

Anstieg

Nach einem kurzen Flachstück beginnt jetzt der erste Anstieg zum Petit Ballon. Nach etwa 3 km folgt nochmals ein welliges Teilstück bis man bei km 26 den dritten Verpflegungsposten erreicht. Ab hier sind es ‚nur‘ noch 4 km bis zum höchsten Punkt, allerdings müssen auch noch 400 Höhenmeter auf dieser Distanz überwunden werden. Alles in allem machbar, im ständigen Wechsel zwischen Laufen und Gehen ging die Zeit sehr gut rum. Auf den letzten 100 Höhenmetern wird einem dann auch bewusst warum der Berg seinen Namen trägt, es wird kahl und flach. Im Vergleich zu den letzten zwei Jahren hat es im Anstieg und auch später im Abstieg bedeutend mehr Schnee und Schuhe mit Grip sind auf jeden Fall von Vorteil.

Tolle Fernsicht am Gipfel

Downhill

Als Gipfelkreuz dient auf dem Petit Ballon eine Marienstatue welche selbstverständlich fotographisch festgehalten werden muss. Auch das Wetter meint es mittlerweile gut mit uns, die Sonne zeigt sich und man hat eine wundervolle Aussicht. Die ersten 100 Höhenmeter im Abstieg werden auf einer steilen, schneebedeckten Bergwiese zurückgelegt. Danach folgt ein ruppiger Schotterweg, aber auch dieser ist heute durch die Schneedecke kaum sichtbar. Danach folgt bis auf zwei kleinere Gegensteigungen nur noch technisch weniger anspruchsvolles Bergablaufen bis man wieder die Weinberge erreicht und Rouffach erblicken kann. Hier geht es nochmals relativ steil die Weinberge runter in den Ort, wo dann auch schon das Zielbanner gespannt ist.

Der Petit Ballon führt durch die Weinberge rund um Rouffach

Schlemmen wie Gott in Frankreich: Tolle Auswahl an den Verpflegungsstationen

Fazit

Der Ausflug in die Vogesen hat sich wie jedes Jahr gelohnt. Diesen Frühjahrsklassiker sollte man mal gemacht haben. Für wenig Geld wird hier wirklich viel geboten. Also, bis nächstes Jahr in Rouffach!

So lief’s an der Spitze

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gab es klare Sieger. Die Schweizer Berglaufspezialistin Jasmin Nunige lief mit einem Vorsprung von knapp 15 Minuten als erste Frau ins Ziel. Sie blieb deutlich unter 4:30 und lief damit auch einen neuen Streckenrekord. Aber auch die deutschen Teilnehmerinnen konnten sich sehr gut in den Top Ten platzieren.

Bei den Männern siegte Clement Posecak mit einer Zeit von 3:47:13, ebenfalls mit rund 15 Minuten Vorsprung. Den Silberplatz belegte Martin Schedler aus Deutschland, Rang 3 ging an den Franzosen Quentin Stephan. Nur wenige Minuten dahinter folgte Matthias Krah auf einem hervorragenden fünften Rang. Der frühere Weltklasse-Bergläufer Timo Zeiler feierte mit Platz 8 eine gelungene Ultratrail-Premiere. Benni Bublak komplettierte auf Platz 9 die starke Vorstellung der deutschen Topläufer.

Fotos von Nicolas Fried (www.alsace-en-courant.com) mit freundlicher Genehmigung.

Ergebnisse: Damen

1. Jasmin Nunige 4:26:31
2. Aoife Quigly 4:40:51
3. Franziska Etter 4:44:37
4. Judith Trunschke 4:58:52
5. Gitti Schiebel 4:59:48
6. Anja Karau 5:00:51
7. Kathrin Schichtl 5:01:00
8. Christine Poyet 5:04:39
9. Carole Millet 5:08:12
10. Elke Keller 5:21:09

Ergebnisse: Herren

1. Clement Posecak 3:47:13
2. Martin Schedler 4:02:30
3. Quentin Stephan 4:04:46
4. Iwan Schwarz 4:10:54
5. Matthias Krah 4:11:55
6. Donnino Anderhalden 4:12:12
7. Eric Gehin 4:15:46
8. Timo Zeiler 4:16:52
9. Benjamin Bublak 4:17:14
10. Luigi De Franceschi 4:17:17

Alle Ergebnisse.

Stimmen zum Rennen

Martin, Glückwunsch zum zweiten Platz! Ein Saisonauftakt nach Maß, oder?

Dankeschön. Absolut, es lief viel besser als erwartet, ich freue mich riesig über dieses tolle Rennen. Ich hatte bisher nur wenige und kurze Wettkämpfe in diesem Jahr, sodass ich etwas unsicher war, wie gut ich wirklich in Form bin.

Beschreib doch mal, wie du das Rennen erlebt hast!

Vom Start an bin ich zusammen mit Timo vorne weggegangen, wir hatten sogar schon eine kleine Lücke zwischen uns und den Verfolgern. Relativ schnell hat der spätere Sieger Clement zu uns aufgeschlossen. Mir wurde das Tempo aber dann zu hoch, ich hab lieber abreißen lassen und bin dann als einziger Verfolger hinter den beiden her. Der Abstand wurde immer größer, ich hab die beiden auch nicht mehr gesehen. Bei ca. Km 15 hat dann der Schweizer Donnino (später 6.) zu mir aufgeschlossen und wir sind bis kurz vorm Gipfel des Petit zusammen gelaufen. Wir haben uns echt super unterhalten und gegenseitig motiviert. Das Panorama am Gipfel war wirklich unglaublich!

Bei Km 37 hab ich plötzlich Timo eingeholt, der am Wegesrandstand stand und Probleme mit seinem Rucksack hatte. Ich hab noch gefragt, ob ich irgendwie helfen kann. Bei KM 43 habe ich meine Verlobte auf der Strecke getroffen, die die 27km gelaufen ist. Diese überraschende Begegnung hat mir nochmal viel Kraft und Motivation gegeben. Die letzten Km waren dann eigentlich zum Genießen – tolles Wetter, geniales Panorama. Doch dann gab’s noch eine Schrecksekunde: Als ich in Gedanken auf flacher Strecke an einer Wurzel hängenblieb und schön den Boden „geküsst“ habe. Bis auf ein paar Schürfwunden blieb aber alles heil, ich konnte direkt weiterlaufen.

Wo bist du als nächstes am Start?

Bei der Ultratrail-DM Mitte April und beim Innsbruck Trailrun Festival Ende April. Danach gibt es aus privaten Gründen eine kleine Pause…

Kurz vor dem Start: Matthias Krah, Bejamin Bublak, Judith Trunschke und Carsten Drilling

Judith, deine Wahlheimat ist Schweden, wie kommt man da auf den Petit Ballon?

Das war vor drei Jahren, kurz bevor ich von Basel nach Schweden umgezogen bin und Stephan Hugenschmidt kennengelernt habe. Seitdem steht der Petit Ballon auf meiner Wunschliste, aber es hat eben bis heute gedauert.

Beschreib doch mal, wie das Rennen für Dich war. Bist du mit den anderen deutschen Mädels in einer Gruppe gelaufen?

Das Rennen verlief für mich mit sehr gemischten Gefühlen. Ich hatte mich seit Wochen gefreut, dass die Saison nun endlich losgeht für mich. Aber da hat man natürlich auch ein bisschen Angst. Prinzipiell habe ich mich aber gut gefühlt und war sehr überascht und froh, dass ich mit Kathi recht gut mithalten konnte. Im ersten Downhill konnte ich mich dann sogar absetzen. Leider kam dann jedoch vom Gipfel an die schmerzhafte Rechnung für das fehlende Bergtraining in meinen flachen Wohnort. Das waren definitiv die 20 schmerzhaftesten Kilometer meines Lebens.

Was machst Du als Nächstes?

So einen richtigen Saisonplan habe ich eigentlich nie. Aber als nächstes stehen in zwei und vier Wochen zwei Ultra Trails in Schweden an sowie der Stockholm City Trail.

Und wann sieht man Dich das nächste Mal in Deutschland?

In Deutschland bin ich eigentlich bisher sehr wenig gelaufen und ich weiß noch nicht, ob es dieses Jahr klappt, da ich aus beruflichen Gründen in den Sommermonaten leider keine weiteren Reisen und großen Wettkämpfe machen kann. Aber ich werde sicher versuchen, im Spätsommer dann noch den ein oder anderen Lauf in der Schweiz oder Österreich zu machen.

Timo Zeiler, Benni Bublak und Matthias Krah

Timo, 52 km sind für dich ungewöhnlich lang. Wie lief dein erster Ultratrail?

Bis auf ein kleines Missgeschick mit meinem Laufrucksack lief es fast perfekt. Ich bin lange Zeit mit dem späteren Sieger gelaufen. Erst kurz vor dem Gipfel wurde mir das Tempo zu hoch und ich habe ihn ziehen lassen. Bei Km 34 musste ich dann anhalten, um den Rucksack zu reparieren. Das hat ein paar Minuten gekostet, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden.

Hattest du dir vor dem Rennen ein bestimmtes Ziel gesetzt?

Ich bin ganz ohne Druck an den Start gegangen und wollte einfach mal ein bißchen Trailluft schnuppern. Die Höhenmeter machen mir natürlich nichts aus, aber vor der Länge der Strecke hatte ich durchaus Respekt.

Trailrunning wird von einigen Akteuren in der Leichtathletik- und Berglaufszene immer noch belächelt. Was sagst du dazu?

Für mich gibt es keinen großen Unterschied zwischen Berglauf und Trailrunning. Ich bin auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen und die Berge immer auch wieder heruntergelaufen. Die Leistungsdichte im Trailbereich wird immer höher. Ich glaube, die Leichtathletikverbände tun gut daran, diese Disziplin ernst zu nehmen.

Welche Rennen stehen für dich in diesem Jahr noch an?

Das große Ziel ist der Transalpine Run. Vorher starte ich im Mai beim Liechtenstein Trail Marathon. Bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften möchten wir unseren Mannschaftstitel verteidigen. Und den neuen Livigno Skymarathon von Marco de Gasperi habe ich auch auf dem Plan.

Carsten

Von

Carsten ist seit 20 Jahren aktiver Läufer und mittlerweile fast nur noch auf Trails zu finden. Im Wettkampf läuft er bevorzugt die langen Distanzen – von UTLW bis UTMB. Die Berge hat er praktisch vor der Haustür: Carsten lebt mit seiner Familie in Zürich. Folge seinen Fußspuren auf Strava.
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5 Kommentare

  1. André

    Finde es sehr sympathisch, dass die Ergebnisse der Frauen zuerst genannt wurden. Eine schöne und anerkennende Kleinigkeit.

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  2. David

    Danke für den Bericht – ich war auch am Start und kannte den Trail Blog bisher noch nicht – Cheers David

     Antworten ·