Trail Marathon Heidelberg – Herrlich. Höher. Härter.

Carsten

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Fotos Rhein-Neckar-Picture

Rennen

Am Wochenende stand die Universitätsstadt Heidelberg ganz im Zeichen des Trailrunnings. Knapp 1.600 Läufer machten bei bestem Herbstwetter die vierte Ausgabe des GELITA Trail Marathons zu einem einzigartigen Event.

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Allgemeines

Im Zentrum des GELITA Trail Marathon stand eine wunderschöne Strecke rund um Heidelberg. Start- und Ziel fand im Heidelberger Schlossgarten statt. Die Veranstaltung ging dieses Jahr in die vierte Auflage und aufgrund der durchweg positiven Rückmeldungen blieb die Marathon Streckenführung und der Himmelsleiter Trail unverändert. Ins sportliche Programm aufgenommen wurde erstmals der Half-Trail über knapp 30 Kilometer.

42,08 km
Distanz
1.990 m
Anstieg
1.990 m
Abstieg
GPS-Download

Vorbereitungsrennen

Im Vorfeld wurden, wie bereits in den vergangenen Jahren auch, vom Veranstalter vier kostenlose Vorbereitungsläufe an vier verschieden Terminen angeboten. Hier bestand die Möglichkeit die Strecke in machbaren Teilstücken laufend kennenzulernen. Sogar für eine Zielverpflegung war gesorgt.
Am dritten Vorbereitungslauf war auch Topfavorit Florian Neuschwander mit am Start, vielleicht war auch das ein Grund, daß rund 150 Läufer bei großer Hitze an der Startlinie standen. Im Anschluß stellte Florian sich den Fragen der Teilnehmer beim „Meet the Flow“.

Vortag

Das Streckenbriefing und die Nudelparty fand dieses Jahr im Restaurant Burgfreiheit statt, da ein großer Kugelschreiberhersteller die Räumlichkeiten der vorherigen Jahre für einen Firmenanlas gebucht hatte. Bei den Nudeln konnte man zwischen verschieden Soßen (Tomate, Bolognese und Carbonara) wählen, serviert wurde nicht wie üblich auf Papptellern sondern schön der Lokalität angepaßt auf Porzellantellern.
Ebenfalls fand dieses Jahr zum ersten Mal ein „Bloggertreffen“ statt. Hier ergab sich die Chance Florian Neuschwander und Ralf Arnold zu löchern, mehr dazu später.

Strecken

Kids Fun Trail

Beim Kinderrennen über 1,3 Kilometer fiel bereits um 10:00 der erste Startschuß des Tages. Hier wurden die jungen Läufer und Läuferinnen zwischen 5 und 12 Jahren auf die Strecke geschickt. Insgesamt waren 50 Kinder am Start und sorgten für gute Stimmung.

Der Nachwuchs am Start (Foto: Publik. Agentur für Kommunikation GmbH)

Marathon

Nach dem Start des GELITA Trail Marathon im Schlossgarten geht es direkt steil hinab in die weltberühmte Heidelberger Altstadt, hier passieren die Läufer nahezu alle touristischen Attraktionen und genießen Anfeuerungen von Heidelbergern und Touristen aus aller Welt.

Start des Marathons (Foto: Rhein-Neckar-Picture)

Schon kurz darauf folgt der erste Aufstieg. Über die steile Hirschgasse gelangen die Teilnehmer auf den Philosophenweg, wo sie mit einem herrlichen Ausblick auf die Altstadt belohnt werden.

Blick auf Altstatdt und Schloss (Foto: Rhein-Neckar-Picture)

Nachdem die 178 Stufen der Thingstätte überstanden sind, geht es weiter mitten durch die Natur: Auf anspruchsvollen und zugleich wunderschönen Trails führt die Strecke über die „Winterseite“ des Sieben-Mühlen-Tals steil aufwärts, gefolgt von einem weiteren bemerkenswerten Trail hinauf zum „Weißen Stein“. Weiterhin auf schmalen Waldwegen gelangen die Läufer bis zu den „Sieben Wegen“ und weiter zum „Langen Kirchbaum“.
Vorbei am „Hexentanzplatz“ führt die Strecke bis fast zurück in die Stadt. Bevor allerdings der Königstuhl erreicht wird, steigt der Streckenverlauf ab Kilometer 29 langsam bis zum Einstieg in die sogenannte Himmelsleiter an. Hier gilt es die letzten Kräfte zu mobilisieren, denn diese Passage wird den Läufern nochmal alles abverlangen. Über Naturstufen, Felskanten und Geröllsteine gilt es gen Königstuhl zu balancieren. Bei Ankunft ist zwar der letzte Aufstieg geschafft, doch verlangt die letzte Bergab-Passage in Richtung Schlossgarten nochmals vollste Konzentration von den Läufern, bevor sie sich beim Zieleinlauf vor malerischer Kulisse feiern lassen können.

Die schnellste Frau auf der Marathonstrecke (Foto: Rhein-Neckar-Picture)

Ergebnisse: Damen
1. Aoife Quigly 3:47:37,9
2. Daniela Kenty 4:01:43,2
3. Hannah Richter 4:18:05,3

Die ersten drei Herren beim Marathon (Foto: Rhein-Neckar-Picture)

Ergebnisse: Herren
1. Florian Neuschwander 2:55:25,0
2. Kim Thomas Abel 3:13:28,9
3. Kibrom Issac 3:24:18,2

Alle Ergebnisse.

Damit konnte Florian Neuschwander seine Ankündigung (siehe Interview) umsetzen und den Streckenrekord vom letzten Jahr regelrecht pulverisieren. Auch bei den Frauen kam es zum Sieg der Topfavoritin und Vorjahressiegerin Aoife Quigly.

Unser laufender Reporter lief mit einer Zeit von 3:49:42,3 auf den 17. Platz im Gesamtfeld und ist damit sehr zufrieden in Anbetracht, daß weniger als 3 Wochen seit dem Tor des Geants Zieleinlauf vergangen sind.

GELITA Trail Marathon im Team erleben

Wer sich der herrlich-harten Herausforderung über 42 Kilometer noch nicht stellen möchte, kann an den Staffelwettbewerben im Rahmen des GELITA Trail Marathon Heidelberg teilnehmen. Hier können sich die Läufer die Strecke in 2er- oder 5er-Teams teilen. Als Staffel genießen sie nicht nur die sportlichen und optischen Höhepunkte der Strecke, sondern erleben auch den ganz speziellen Teamgeist.

Ergebnisse: Marathon Duo
1. Ralf Philipp / Ralf Czaikowsky 3:28:47,5
2. Moritz Hüttmann / Bennedikt Wiedmann 3:40:50,8
3. Ralf Arnold / Gernot Helferich 3:43:47,2

Das drittplazierte Team ist gehandicapt an an den Start gegangen, da der erste Streckenabschnitt mit etwas mehr als 21 Kilometer und 1000 Höhenmeter von einem nahezu blinden Läufer absolviert wurde. Dieser Läufer ist allerdings kein Unbekannter. Ralf Arnold ist dieses Jahr beim Hannover Marathon eine 2:58:59 gelaufen und hätte somit eigentlich die Paraolympische Marathonlimite von 3:00:00 unterboten, leider hat der Verband dieses Jahr einige Sehklassen zusammen gelegt und somit auch die Limite auf sage und schreibe 2:35:09 gesenkt.

Ralf Arnold mi seinen beiden Guides (Matthias Rosenkranz und Gernot Helferich) im Ziel (Foto: Publik. Agentur für Kommunikation GmbH)

Half Trail

Die anspruchsvolle 30 km Runde verläuft zu weiten Teilen parallel zu der des Trail-Marathons. Start und Ziel befinden sich ebenfalls oberhalb des Schloßgartens des Heidelberger Schlosses. Unterschiede gibt es lediglich an zwei Stellen: Zum einen führt die Strecke von der Thingstätte ohne Schlenker in Richtung Ziegelhausen direkt auf den Weißen Stein. Zudem entfällt auch die Passage über die Himmelsleiter und den Königstuhl. Von Schlierbach führt die Half-Trail-Strecke direkt zurück zum Heidelberg er Schloss. Somit ist der Half-Trail etwas weniger anspruchsvoll als der komplette Marathon und perfekt für Läufer, die nach einem Halbmarathon-Lauf eine neue Herausforderung suchen.
Bei den Herren gewann den Half Trail über 30 Kilometer und etwa 1000 Höhenmeter Janosch Kowalczyk in 2:04:28,7 vor Jürgen Reiser und Markus von Ghemen. Bei den Damen siegte Katja Coneus in 2:32:50,6 vor Benedetta Broggi und Lena Berg.

Himmelsleiter Trail

Die Strecke des Himmelsleiter Trail ist ca. 10 Kilometer lang und beinhaltet das Highlight des GELITA Trail Marathon – den Aufstieg über die Himmelsleiter. Der Start befindet sich ebenfalls oberhalb des Schlossgartens. Von dort geht es zunächst einige Meter über die Straße in Richtung Molkenkur, bevor die Läufer in den Wald einbiegen. Hier wartet auch schon der erste Trail auf die Teilnehmer, als Einstimmung auf die Himmelsleiter und als Übergang auf die Marathonstrecke. Über die Naturstufen der Himmelsleiter gelangen die Teilnehmer auf den Königstuhl und folgen dem Streckenverlauf im Anschluss bis zum Ziel im Schlossgarten.

Himmelsleiter beim Vorbereitunsglauf (Foto: Rhein-Neckar-Picture)

Den Himmelsleiter Trail konnte Lars Wendler in 0:41:24 für sich entscheiden. Dicht gefolgt von Emil Leibrock und Philipp Scheffzek. Lisa Teichert (mit 51:11,7) lief mit 8 Sekunden Vorsprung vor Luisa Weil als erste Frau ins Ziel.

Fazit

Der GELITA Trail Marathon ist eine tolle Veranstaltung mit einem faszinierenden Start- und Zielgelände. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich und hat einige knackige Anstiege, wie natürlich der Himmelsleiter hoch zum Königstuhl. Ebenso gibt es einige sehr schöne Single Trails, allerdings leider auch sehr lange Forstwegpassagen. Aber vielleicht darf man auch nicht vergessen, daß man sich in unmittelbarer Nähe einer Großstadt befindet und nicht in den Alpen.
Leider ist uns zu Ohren gekommen, daß bereits nach 4:30 die Verpflegung im Zielbereich dem Ende zu ging und es später sogar an Finisher Medaillen scheiterte. Dies ist bei dem doch relativ hohen Startgeld natürlich ein ganz klares „no go“ und darf einfach nicht passieren.

Interview mit Florian Neuschwander

Das Interview fand vor dem Rennen im Rahmen eines Blogger Treffens statt.

Flo im Interview beim Bloggertreffen (Publik. Agentur für Kommunikation GmbH)

Florian, wie hast Du Dich auf das Rennen vorbereitet?

Letztes Wochenende habe ich noch beim Berlin Marathon den Sänger Max Herre begleitet (3:48). Am Mittwoch bin ich die ersten 19 Kilometer relativ zügig abgelaufen. Die Himmelsleiter kannte ich ja schon von den Vorläufen.

Was hast Du Dir vorgenommen für morgen?

Ich möchte natürlich gewinnen und am besten mit Streckenrekord. Im Idealfall sollte eine Zeit unter 3 Stunden möglich sein. Ich werde versuchen beim Halbmarathon eine 1:32 zu haben und dann die lange Abwärtspassage runterballern. An der Himmelsleiter werde ich gehen und dann einfach runter ins Ziel, wobei ich hier richtig Respekt habe, da ich mich bei den Vorbereitungsläufen hier lang gemacht habe.

Hast Du noch Pläne für 2016?

Ich werde am 27. November bei der 100 Kilometer Weltmeisterschaft in Spanien teilnehmen.

Was ist Dein Ziel dort?

Ich möchte unter 6:40 bleiben, das bedeutet über 100 Kilometer einen 4er Schnitt laufen. Die Plazierung ergibt sich dann automatisch. Es sollte theoretisch möglich sein, da ich bei meiner Bestzeit letztes Jahr 6:49 mit einigen ungeplanten Stops hatte.

Verrätst Du uns wie Du Dich darauf vorbereitest?

Ich habe mit Heidelberg morgen den dritten Marathon in vier Wochen absolviert. Jetzt kommt eine Woche Pause und dann nochmals ein richtiger Powerblock von 5 Wochen. Innerhalb dieser Zeit möchte ich drei 60 Kilometer Testläufe machen. Vielleicht laufe ich mich vor dem Frankfurt Marathon 18 Km ein und dann habe ich den ersten 60er. Nach dem Trainingsblock folgen dann 2 Wochen Tapering.

Und wo sehen wir Dich nächstes Jahr?

Am Anfang des Jahres möchte ich gerne ein paar Crossläufe machen und dann im Frühling meine Halbmarathon Bestzeit von 1:06:20 verbessern. Vielleicht versuche ich auch noch einmal den Deutschen Rekord über 50 km anzugreifen. Aber da habe ich mich noch nicht festgelegt.
Gesetzt ist dann der Wings for Life, wobei noch unklar ist wo ich laufen werden. Es sollte schon eine schnellere Strecke als München sein, vielleicht Österreich oder Kanada.
Im Herbst dann Zermatt Marathon und Jungfrau und diesmal mit etwas mehr Training am Berg. Hier verliere ich einfach NOCH zu viel auf die Bergspezialisten. Abschließen würde ich das Jahr dann vielleicht wieder mit einem schönen Ultra.

Gibt es etwas was Du (lauftechnisch) nicht machen würdest?

Ja. Ich kann mir nicht vorstellen in der Wüste zu laufen. Auch das andere Extrem Kälte kommt für mich nicht in Frage.

Welche Rennen stehen auf Deiner Bucket List?

Conrades, Two Oceans, Leadville 100, Western State, UTMB
Ich möchte aber erst einmal die 100 Kilometer richtig im Griff haben bevor ich mich an noch längere Distanzen wage.

Florian, vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Dir für morgen auf jeden Fall gute Beine.

Danke.

Mit Florian Neuwschander und Blogger-Kollege Steve Auch von uptothetop.de

Carsten

Von

Carsten ist seit 20 Jahren aktiver Läufer und mittlerweile fast nur noch auf Trails zu finden. Im Wettkampf läuft er bevorzugt die langen Distanzen. Die Berge hat er praktisch vor der Haustür: Carsten lebt mit seiner Familie in Zürich. Folge seinen Fußspuren auf Strava.
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