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Karwendel Tag 1: Über die Karwendelspitze

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Seit Mittwoch Abend bin ich zum „Höhentrainingslager“ in Mittenwald, zwischen Wetterstein- und Karwendelgebirge. Ein letzter Härtetest vor dem Transalpine-Run und eine simple Aufgabe: In viereinhalb Tagen so viele Höhenmeter sammeln wie möglich! Natürlich soll auch der Spaß am (Trail-)Running nicht auf der Strecke bleiben. Bei der grandiosen Berglandschaft steht das aber ohnehin nicht zu befürchten.

Die ersten 300 Hm wandern schon am Mittwoch Abend auf’s Punktekonto. Um die Beine nach der Anreise wieder zum Leben zu erwecken geht’s zur Ederkanzel und von dort runter zum Lautersee. Kurz, unspektakulär, aber in der Abendsonne trotzdem verdammt schön.

Am Donnerstag dann die erste echte Tour. Auf dem Menü: Einmal Karwendelgipfel a la Trailrunner. Von Mittenwald geht’s die ersten 4 km flach bis zum Einstieg. Es folgen 600 Höhenmeter bis zur Brunnsteinhütte (1523 m), verteilt auf 3 km. Genau das richtige, um wach zu werden. Etwas versteckt hinter der Hütte geht es weiter auf den Heinrich-Noe-Steig, der mich hoch zum Gipfelgrat bringen soll. Der Steig beginnt gemächlich, wird im oberen Teil aber zur Kletterpartie. Für echte Kletterer natürlich nicht der Rede wert, aber für mich ein kleines, willkommenes Abenteuer.

Ziemlich genau am Grenzpunkt zwischen Bayern und Tirol trifft der Steig auf den deutlich bekannteren Mittenwalder Höhenweg, der die Südwestgipfel der nördlichen Karwendelkette verbindet. Mit der mittleren Linderspitze ist der erste Höhepunkt des Tages erreicht. Ich laufe (wo es möglich ist) entgegen der üblichen Gehrichtung weiter bis zur Bergstation der Karwendelbahn. Wie zu erwarten, herrscht dort ziemlicher Almauftrieb der Tagestouristen. Den Abstecher zur westlichen Karwendelspitze (2.385 m) lasse ich mir trotzdem nicht nehmen. Das letzte Teilstück ist seilversichert, aber nicht besonders anspruchsvoll. Dafür ist der Rundumblick auf die umliegenden Gebirgszüge umso grandioser. Am Horizont kann man heute sogar die 3.000er der Ötztaler Alpen erkennen.

Zurück an der Bergstation geht es durch einen Tunnel hinüber ins Hintere Dammkar. Der Abstieg zur Dammkarhütte (1667 m) führt über Geröllfelder und erfordert deshalb einiges an Konzentration. Erst im flacheren Teil hat man wieder mehr Halt unter den Füßen. So macht das Tänzeln über die Kalksteinbrocken Spaß!

Von der Dammkarhütte schlängelt sich ein schöner Singletrail rüber zur Hochlandhütte. Die liegt auf derselben Höhe, aber unterwegs sammelt man trotzdem etwa 250 Höhenmeter. Inzwischen ist es ziemlich heiß geworden und ich bin froh, an der Hütte etwas Schatten und Flüssigkeit zu bekommen. Mit gut gefühlter Trinkblase im Rucksack geht es dann weitere 300 m hinauf zum Wörner Sattel (1979 m). Für den anstrengenden Aufstieg wird man mit einem genialen Blick rüber zur Soiernspitze belohnt!

Der Abstieg hinunter zur Vereiner Alm ist zunächst ziemlich nervig, weil eine einzige Rutschpartie. An Laufen ist da nicht zu denken. Aber sobald man die Geröllpiste hinter sich gelassen hat, folgt ein wunderbarer, unberührter Pfad. Zwischen Wörner Sattel und Vereiner Alm bin ich ganz allein mit mir, meinen Gedanken und der Landschaft. So geht Trailrunning!

Erst auf der Alm treffe ich auf eine Gruppe Mountainbiker. Ich gönne mir ein Radler (haha!) und bringe damit den leicht lädierten Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung. Next: Der Jägersteig! Der Weg beginnt auf einer langweiligen Forststraße, entpuppt sich dann aber als Wald- und Wurzeltrail vom Allerfeinsten. Auf zwei Fußbreit Pfad schlängelt er sich in unzähligen Kurven immer am Hang entlang. Obwohl die Beine müde sind, fliege ich nur so in Richtung Mittenwald. Das letzte Stück entlang des Isarradwegs hake ich dann auch noch irgendwie ab.

Nach 9 Stunden (netto ca. 5:30 h), etwa 35 km und ca. 2.500 Höhenmetern bin ich zurück an der Herberge. Müde, aber voller Eindrücke, die ich so schnell nicht vergessen werde!

Hier die „Ideallinie“ meiner Mittenwald-Karwendel-Runde. Ich bin einige Umwege und Abzweige gelaufen, so dass am Ende deutlich mehr auf der Uhr stand.

32,52 km
Distanz
3.103 m
Anstieg
3.103 m
Abstieg
GPS-Download
Hendrik

Von

Hendrik ist leidenschaftlicher Trailrunner und Gründer des TrailBlog. Neben kurzen, steilen Rennen reizen ihn lange Touren auf eigene Faust in den Bergen. Hendrik ist ASICS Frontrunner und wird unterstützt von Garmin, SZIOLS und ultraSPORTS. Folge ihm auch auf Strava, Twitter und Instagram.
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3 Kommentare

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  1. Markus

    Wow, echt ein wahnsinns Pensum was du dir da zumutest. Aber die Bilder und Ausblicke sprechen für sich und entschädigen wohl für alle Strapazen!
    Wünsche dir viel Erfolg dann beim Transalpin!

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    • Hendrik

      Hendrik

      Danke! Ja, es ist immer ein schmaler Grat zwischen „viel hilft viel“ und „zuviel“. Bisher habe ich in diesem Jahr eine ganz gute Balance gefunden, glaube ich. Aber natürlich gehören auch Ruhetage und aktive Regeneration zum Training dazu. Das ist nur nicht so spannend, deshalb schreibe ich selten darüber.

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